Italien: Wieder mehr Bootsflüchtlinge aus Libyen


Zentrale Mittelmeerroute: Von Januar bis Anfang Mai kamen mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Toten hat sich mehr als verdreifacht

Thomas Pany | TELEPOLIS

Mit den wärmeren Monaten macht ein ungelöster Konflikt erneut auf sich aufmerksam: die Frage, wie die EU human mit den Bootsflüchtlingen aus Libyen umgehen soll. Am Wochenende sollen „sieben Flüchtlingsboote mit mehr als 1.400 Menschen“ Lampedusa erreicht haben. Bürgermeister Toto Martello fordert, dass die Diskussionen über die Einwanderungsfrage wieder neu aufgenommen wird.

Der frühere italienische Innenminister Salvini, bekannt für seinen harten Kurs gegenüber den Seenot-Rettungsschiffen der Nichtregierungsorganisationen, stellte, wie schon zuvor, die Nöte der Italiener der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten gegenüber: „Angesichts von Millionen Italienern in Schwierigkeiten können wir nicht an Tausende illegale Einwanderer denken.“

Dass Salvinis Aussagen mehr auf Plakativität und Emotionen zielen als auf sachliche Informationen, veranschaulicht die Grafik des Migrationsforschers Matteo Villa, auf der zu sehen ist, dass der Anteil der NGO-Seenotrettungen sich im Vergleich der Amtszeiten von Salvini und der gegenwärtigen Innenministerin Lamorgese kaum unterscheidet. Als Salvini Innenminister war, betrug er 14 Prozent, unter Lamorgese sind es 16 Prozent.

Laut offiziellen Zahlen sind dieses Jahr mehr als doppelt so viele Migranten in Italien angelandet als im Vergleichszeitraum 2020. Das italienische Innenministerium verzeichnet bis dato 10.700 Migranten, vor einem Jahr seines zum gleichen Zeitpunkt 4.100 gewesen. Auch die Internationale Organisation für Migration registriert in diesem Jahr 10.763 Flüchtlinge und Migranten, die über die zentrale Mittelmeerroute in Europa angekommen sind – und mit bislang 506 Toten eine weitaus höhere Zahl als im selben Zeitraum 2020. Im letzten Jahr zählte man zu dieser Zeit 149 Tote.

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