Betroffener über Missbrauchsprävention: „Die Kirche hat Angst“


Der Betroffenenbeirat der evangelischen Kirche zur Missbrauchsaufarbeitung ist gescheitert. Mitglied Henning Stein zweifelt am echten Aufklärungswillen der EKD.

Luise Strothmann | taz

„Es geht letztendlich immer um Missbrauch von Macht“: Priesterweihe in Magdeburg Foto: Jens Wolf/picture alliance/dpa

taz: Erst im September hatte die evangelische Kirche zwölf Betroffene als Beirat zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch berufen. Am Montagabend verkündete die EKD, das bisherige Konzept sei gescheitert und setze den Beirat aus. Was ist passiert?

Henning Stein: Es gab kein Konzept, das war das Problem. Uns wurde vermittelt, wir sollten Empfehlungen geben, was sich aus unserer Sicht in der Kirche ändern müsse. Aber in der Realität fehlte eine Struktur für die Frage: Wie arbeiten die Betroffenen eigentlich mit? Zwei Blasen haben nebeneinander existiert: Auf der einen Seite der Beauftragtenrat der EKD für das Thema, die Bischöfe. Auf der anderen Seite die Betroffenen. Dazwischen eine Fachstelle. Wir hatten keinen direkten Kontakt zu den Bischöfen.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Da kamen dann E-Mails von dieser Fachstelle. Die haben uns erklärt, was der Beauftragtenrat beschlossen hat, was wir zur Kenntnis zu nehmen haben, aber eine Mitarbeit im Sinne eines Beirats gab es nicht. Ich will nicht irgendwelche PDF-Dateien bekommen, um die abzunicken, ich möchte mitmachen. Sonst ist das nur eine Simulation von Aufarbeitung.

Schon in den vergangenen Monaten sind mehrere Mitglieder ausgetreten. Die EKD spricht von Konflikten innerhalb der Gruppe.

Auch in der Erklärung der ausgetretenen Kollegen ging es vor allem um strukturelle Fragen an die EKD und nicht um Streit.

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