Querdenker-Philosoph dreht auf: Nestbeschmutzer in der Nationalakademie


Produzierte die Leopoldina „Pseudofakten“ in der Pandemie? Ein Mitglied der ältesten Akademie der Welt behauptet das – im Namen der Leopoldina. Eine kleine Philosophie des Querdenkens.

Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein lauter Star. Bild: obs

Als Gymnasiast, so beliebte der spätere Nobelpreisträger Konrad Lorenz in seinen Vorlesungen zur „Leerlaufhandlung“ gern zu erzählen, habe einmal ein Star auf hoher Warte sitzend seine Aufmerksamkeit erregt. Der Vogel im Zimmer blickte gespannt die weiße Decke empor, „als ob dort Insekten flögen“, flog dann los, schnappte in der Luft zu und kehrte auf seine Warte zurück. „Er vollführte die Bewegung des Totschlagens von Beute, schluckte und verfiel danach in Ruhe“, notierte Lorenz. Dieses, heute würde man sagen, irrationale Verhalten des Stars passte perfekt in seine Instinkttheorie.

Das arme Geschöpf sei von einem steten Fluss aktionsspezifischer „Triebenergie“ durchströmt, die sich als verhaltenskundliche These zwar längst erledigt hat, die allerdings schon ihrer schieren Anschaulichkeit wegen kaum aus dem Sinn geht, durchforstet man erst einmal den Alltag nach entsprechendem Leerlauf-Verhalten. Plötzlich ist der Dschungel voller Psychopathen. Auch bekannten, reflektierten Hirnen kann das irrationale Fliegenfangen zur Manie werden.

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