Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer spitzt sich erneut zu


Tausende Menschen landen in diesen Tagen wieder an Italiens Küsten, mindestens 511 Menschen sind allein in diesem Jahr auf der Überfahrt ums Leben gekommen. Premier Draghi setzt auf Kooperation mit Libyen.

Andrea Bachstein | Süddeutsche Zeitung

Auch am Dienstag landeten Bootsflüchtlinge in Lampedusa. Das Aufnahmezentrum der kleinen Insel ist überbelegt, die Menschen werden nach Sizilien gebracht. (Foto: Salvatore Cavalli/AP)

Nello Musumeci steht nicht in Verdacht, privaten Seenotrettern sehr nahezustehen. Aber was der konservative Regionspräsident Siziliens Anfang der Woche in sozialen Medien platzierte, könnte passagenweise von NGOs stammen: „Das Drama der Flüchtlinge im Mittelmeer lässt sich mit gutem Willen allein nicht lösen. Alle wissen, dass in den nächsten Wochen weiter Unschuldige sterben werden (fast immer Frauen und Kinder) auf ihrer verzweifelten Fahrt zu Siziliens Küsten. Aber keiner rührt einen Finger, nicht in Rom, nicht in Brüssel. Sie haben es Sizilien und Lampedusa zuvorderst überlassen, mit dieser endlosen Tragödie umzugehen.“

Migranten aus 21 Booten waren in 24 Stunden am Wochenende auf Lampedusa angelandet, auf oder mithilfe von Küstenwachbooten. 2200 Menschen, Kranke, Schwangere, Säuglinge und Kinder darunter, stiegen an der Mole Favarolo des Inselhafens an Land. Stundenlang mussten sie an Kais lagern, Hunderte verbrachten die Nacht dort. Es waren einfach zu viele in zu kurzer Zeit und dazu unter Corona-Bedingungen. Das Aufnahmezentrum der Insel war mit 1000 Menschen schon vierfach überbelegt; nach und nach werden die Menschen seither auf die Hauptinsel Sizilien ausgeschifft, um sie dort in Unterkünfte zu verteilen. Wegen hohen Seegangs stockte das aber am Mittwoch, 1600 Menschen warteten da noch auf der Insel.

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