Inferno in Israel – Riss in der Gesellschaft


Niemand muss sich über das, was derzeit geschieht, wundern. Während diese Zeilen geschrieben werden, feuert die Hamas nach wie vor Raketen auf Israel und Israel bombardiert Gaza – ein Szenario, das nun seit vielen Jahren hinlänglich bekannt ist. Noch ist nicht klar, ob daraus ein vierter Gaza-Krieg wird oder ob es gelingt, die kriegerischen Auseinandersetzungen in den nächsten Tagen wieder zu stoppen.

Richard C. Schneider | tachles.ch

Die Auseinandersetzungen in Jerusalem waren der Auslöser, aber sicher nicht der alleinige Grund für das, was gerade geschieht. Auf der palästinensischen Seite herrscht viel Frustration: Die von Palästinenserpräsident Abbas abgesagten Wahlen, die schwierige Wirtschaftslage wegen Corona in Ostjerusalem, die drohende Zwangsräumung von Palästinensern in Sheikh Jarrah, einem Stadtteil in Ostjerusalem, das Ende des Ramadans, aber auch der Versuch der Hamas, in der Westbank zu punkten, nachdem Abbas sie wieder um eine Wahl und einen möglichen Sieg betrogen hat. Hinzu kommt auch die zunehmende Frustration der arabischen Israelis, die sich selbst häufig lieber «Palästinenser von 1948» nennen, mit der jüdisch-extremistisch-rassistischen Politik ihnen gegenüber: Das Nationalstaatsgesetz von 2018, das arabische Staatsbürger de facto zu Menschen zweiter Klasse macht, das Anwachsen der radikal-extremistischen Kräfte, die Binyamin Netanyahu gefördert hat, um sich so die Macht zu retten, also die Faschisten und Rassisten des sogenannten «religiösen Zionismus» wie Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir, die in den letzten Tagen in Jerusalem heftig unterwegs waren, um überall gegen die arabische Bevölkerung zu zündeln und davon träumen, die arabischen Israelis aus dem Land zu treiben. Hinzu kommen rechtspopulistische Lakaien Netanyahus wie Amir Ohana und andere. Ohana hat in seiner Funktion als Polizeiminister eher die Unruhen angefacht anstatt für Ruhe in der Stadt zu sorgen. Nicht zu vergessen, die rassistischen Sprüche Netanyahus bei einigen der letzten Wahlkämpfe.

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