Deutschland vor Aussöhnungsabkommen mit Namibia

Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste (ca. 1907)

Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia über den Umgang mit den Verbrechen des Kolonialismus stehen kurz vor dem Abschluss. Nach Informationen des Deutschlandfunks gibt es in den wichtigsten Punkten eine Einigung. Offen war zuletzt noch die Höhe der Wiedergutmachungszahlungen, mit denen die Bundesregierung die sozialen Folgen des Vernichtungskriegs gegen die Volksgruppen der Herero und Nama abmildern will.

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Ein Mahnmal in der namibischen Hauptstadt Windhoek (dpa / Picture alliance / Jürgen Bätz)

Die Bundesregierung ist zudem bereit, die Tötung zehntausender Menschen in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika aus heutiger Sicht als Völkermord anzuerkennen.

Ein Aussöhnungsabkommen beider Staaten könnte nach Informationen des Deutschlandfunks noch an diesem Wochenende fertiggestellt werden. Geplant ist, dass Bundespräsident Steinmeier zu einem Festakt im namibischen Parlament reisen wird, um dort offiziell um Entschuldigung zu bitten.

Im Auswärtigen Amt in Berlin läuft derzeit eine neue Runde der Gespräche mit Vertretern Namibias, die vor sechs Jahren begonnen haben. Ziel ist eine Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit. Zwischen 1904 und 1908 töteten deutsche Truppen mehrere zehntausend Herero und Nama. Den Begriff des Völkermords hatte die Bundesregierung bislang zurückgewiesen, auch mit Blick auf mögliche Entschädigungsansprüche.