Corona: Vorsorge weiblich, Sterben männlich

coronavirus sars-cov-2

Es sterben deutlich mehr Männer an Covid-19 als Frauen. Das ist zum Teil genetisch bedingt, liegt aber andererseits am „unmännlichen“ Image der Gesundheitsvorsorge und an Rollenklischees

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Die Corona-Pandemie ist – auch – eine Geschlechterfrage, denn es sterben weitaus mehr Männer als Frauen in Verbindung mit Covid-19, während bei Frauen mehr Verdachtsfälle auf schwere Nebenwirkungen von Impfstoffen auftreten. Beides spiegelt Erkenntnisse der geschlechtsbasierten Gesundheitsforschung wider. Lösungen wären eine gendersensible Gesundheitserziehung für Jungen und Männer und stärkere Berücksichtigung der weiblichen Biologie bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen.

Grundsätzlich ist und bleibt Covid-19 eine zum Teil schwerwiegende Viruserkrankung, an der zu leiden – oder gar zu sterben – niemand persönlich Schuld hat. Insofern geht es nicht um die Klärung einer Schuldfrage, sondern um ein besseres Verständnis der Auswirkungen der Pandemie, auch der für die subjektive Gesundheit sowie Infektions-Prophylaxe. Dabei fällt die stärkere Betroffenheit von Männern unter den offiziell als in Verbindung mit Covid-19 Verstorbenen registrierten Personen ins Auge. Laut RKI sind gilt als „in Verbindung mit Covid-19 verstorben“, wer mittels PCR-Test positiv auf Sars-Cov-2 getestet wurde.

„Generell liegt es immer im Ermessen des Gesundheitsamtes, ob ein (PCR-bestätigter) Fall als verstorben an bzw. mit COVID-19 ans RKI übermittelt wird oder nicht. Bei einem Großteil der an das RKI übermittelten COVID-19-Todesfälle wird „verstorben an der gemeldeten Krankheit“ angegeben“, erklärte das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Telepolis-Anfrage. Bei Personen, die zuhause behandelt werden und sterben, und zwar nicht aufgrund der Diagnose Covid-19, entscheidet der Hausarzt, ob ein PCR-Test durchgeführt wird, das kann während der Behandlung, aber auch post mortem geschehen.

Klassen-, Alters- und Geschlechterfrage

Wer ein Problem lösen will, muss es zunächst einmal analysieren. Covid-19 wirkt in vielfacher Hinsicht wie ein Brennglas auf soziale Probleme, aber es fördert auch die unterschiedliche Betroffenheit von Männern und Frauen zutage. Das entspricht in etwa den wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich des Unterschieds bezüglich Frauen- bzw. Männergesundheit. Bislang scheint es allerdings nicht so, als würden diese Erkenntnisse im Rahmen der Pandemiebekämpfung eine Rolle spielen. Das Robert-Koch-Institut wäre indes gut beraten, die selbst zusammengetragenen Ergebnisse zu beachten.

Die Corona-Pandemie sei eine Klassenfrage, keine Altersfrage, konstatierte kürzlich Peter Nowak. Das stimmt – und stimmt auch nicht, denn einerseits sind sozial Benachteiligte von der Pandemie stärker betroffen, andererseits sterben auch unter den Armen vor allem die alten Menschen. Immer noch, obwohl mittlerweile 70 Prozent der über 80jährigen vollständig gegen Corona geimpft sind, wie das RKI gegenüber Telepolis mitteilte.

Dem täglichen Lagebericht des RKI zufolge starben während des Berichtszeitraums vom 31. März 2021 bis zum 4. Mai 2021 insgesamt 7.380 Menschen offiziell in Verbindung mit Covid-19. Davon waren 3.757 über 80 Jahre alt, das entspricht 51 Prozent der insgesamt in diesem Zeitraum Verstorbenen; 928 waren über 90 Jahre alt, das entspricht 13 Prozent der insgesamt in diesem Zeitraum Verstorbenen.

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