Journal of Controversial Ideas : Die Abgekanzelten melden sich zurück


Im „Journal of Controversial Ideas“ wird anonym über wissenschaftliche Themen diskutiert – ein Schreckgespenst für Diskurswächter: Nun legt das JCI seine erste Ausgabe auf.

Wolfgang Krischke | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Philosoph Peter Singer ist Mitherausgeber des „Journal of Controversial Ideas“ – Szene aus dem Film „Examined Life“ Bild: Picture-Alliance/Zeitgeist Films/Courtesy Everett Collection

Die Abkanzelkultur mit ihren Angriffen auf die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit trifft in der akademischen Welt oft auf Opportunismus, aber sie provoziert auch Gegenwehr. Ein Beispiel dafür ist das Journal of Controversial Ideas, dessen erste Ausgabe jetzt erschienen ist. Herausgeber der Zeitschrift sind Peter Singer von der Universität Princeton, Jeff McMahan von der Universität Oxford und Francesca Minerva von der Universität Warwick. Alle drei sind Philosophen, aber die Publikation steht Autoren aller Fächer offen.

Das Journal, das im Netz frei zugänglich ist und sich aus Spenden finanziert, will der rationalen Argumentation und dem ungehinderten Erkenntnisstreben einen Schutzraum vor politischen und religiösen Diskurswächtern bieten. Wer Anfeindungen, Drohungen oder berufliche Nachteile fürchtet, weil er deren Sprech- und Schreibgeboten nicht folgt, kann seinen Aufsatz unter Pseudonym veröffentlichen. Zählen sollen allein die Stringenz der Argumentation, die Stichhaltigkeit der Aussagen und der Erkenntniswert der Ergebnisse. Wie bei akademischen Zeitschriften üblich, muss ein Text vor seiner Publikation von Fachgutachtern akzeptiert werden. Von den eingereichten 91 Arbeiten haben es zehn in die erste Nummer geschafft.

weiterlesen