Woelkis Werk und Franziskus’ Beitrag


Dass die Kölner Affäre erneut eskaliert, liegt auch an der Intransparenz und Willkür im Vatikan. Mit seiner monatelangen Untätigkeit ließ Papst Franziskus die Affäre immer weiter schwelen. Das hat traurige Signalwirkung weit über das Erzbistum hinaus.

Lucas Wiegelmann | WELT

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki 2019 bei einer Generalaudienz im Vatikan Quelle: picture alliance/dpa

Das Gesetz, mit dem der Papst den Umgang seiner Kirche mit dem sexuellen Missbrauch revolutionieren wollte, war noch keine zwei Jahre alt, da wurde es schon gebrochen, und zwar vom Papst selber. Das einschlägige Dekret mit dem frommen Titel „Ihr seid das Licht der Welt“, das Franziskus im Mai 2019 erließ, soll mögliche Sanktionierungen von Bischöfen vereinheitlichen, die sich beim Thema Missbrauch falsch verhalten haben. Darin ist festgelegt: Wird ein Bischof formell beschuldigt, etwas vertuscht zu haben, ist dieser Vorwurf dem Vatikan zu melden, und dieser muss binnen dreißig Tagen über das weitere Vorgehen entscheiden: etwa, ob eine Untersuchung eingeleitet wird.

Es ist eine Regelung, die wie gemalt scheint für die verfahrene Situation in Köln, wo sich Kardinal Woelki seit Monaten genau solchen Vorwürfen ausgesetzt sieht. Und tatsächlich liegt dem Heiligen Stuhl seit dem 11. Dezember 2020 eine Beschwerde im Sinne von „Ihr seid das Licht der Welt“ über Woelki vor: Er soll einen Missbrauchsfall pflichtwidrig nicht nach Rom gemeldet haben. Doch der Vatikan hat nie eine offizielle Entscheidung darüber getroffen, wie mit diesem Vorwurf denn nun zu verfahren sei, nicht nach dreißig Tagen und auch nicht nach vierzig, bis heute nicht. Wenn Rom gesprochen hat, so sagt man ja, ist eine Sache entschieden, aber im Falle des Kölner Erzbischofs Woelki tat der Vatikan lange Zeit nur eines: schweigen.

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