Kirche ohne Pfarrer


Immer weniger Pfarrstellen in Deutschland können nachbesetzt werden. Die Kirche ist im Wandel – besonders auf dem Land ist das zu spüren.

David Rech | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Flonheimer Kirche ist leer: Die Gemeinde hat keinen Pfarrer mehr. Bild: David Rech

Helga Lawall sitzt in einer leeren Kirche. Hier in Flonheim, einer kleinen Gemeinde im Herzen Rheinhessens, ist sie seit vielen Jahren Teil des evangelischen Kirchenvorstandes. Es ist Sonntagmorgen, aber heute ist es still in der großen Kirche. Kein Pfarrer predigt, keiner klettert hinauf auf die Kanzel und die Orgel bleibt stumm. Die Flonheimer Kirchengemeinde hat keinen Pfarrer mehr.

Die Kirche ist im Wandel, denn dem Land fehlen die Geistlichen. Immer mehr gehen in den Ruhestand, zu wenige rücken nach. Das rheinhessische Dorf ist ein Beispiel für eine Entwicklung, die nicht neu ist, aber immer spürbarer wird.

Die Doppeltürme der evangelischen Kirchen ragen hoch über die Dächer des Dorfes. „Dom des Wiesbachtals“ nennen die Einheimischen ihre Kirche liebevoll. Seit mehr als 40 Jahren ist Lawall hier im Kirchenvorstand aktiv, heute ist sie deren stellvertretende Vorsitzende. An das letzte Mal, als die Pfarrstelle neu zu besetzen war, erinnert sie sich noch gut. Vier Bewerbungen kamen da auf die Stelle, ihren Pfarrer konnte sich die Gemeinde aussuchen. Mehr als 20 Jahre ist das nun her. Heute sei das ein Traum, der nie wieder in Erfüllung gehen werde, sagt die Flonheimerin.

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