Wie die Machtgier aus Religionsführern Despoten macht


Die Gier nach Macht hält die Welt am Laufen. Für viele Menschen ist sie das Schmiermittel des Lebens. Allzu viele fühlen sich erst richtig lebendig, wenn sie Stärke markieren und Macht über andere ausüben können.

Hugo Stamm | watson.ch/Sektenblog

Im Machtfieber: L. Ron Hubbard, Gründer von Scientology. Bild: EPA/DPA

Doch nichts hat mehr Leid und Elend in die Welt gebracht als der Drang nach Macht. Dieser kann die Seele auffressen und aus Menschen – mehrheitlich Männern – unkontrollierbare Wesen machen, die an Kampfhunde erinnern. Ursache ist oft eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur, die sich durch eine verkümmerte Empathie und eine extreme Ich-Bezogenheit bemerkbar macht.

Doch nicht alle Machtmenschen müssen zu einem Stalin oder Hitler werden. Die meisten leben ihre destruktive Neigung in engeren sozialen Strukturen aus. An der Arbeit, in der Familie oder Beziehung.

Solche Machtmissbräuche finden wir auch im religiösen Umfeld. Und dies nicht zu knapp. Musterbeispiele sind Sektenführer, die das perfekte Biotop aufbauen, um ihren Machtdrang ungehindert ausüben zu können.

Die höchste Legitimation

Dazu gehört auch, dass sie sich als Heilsbringer oder Gesandte Gottes aufspielen. Das ist für sie die Form der Macht mit der höchsten Legitimation. Sie müssen nicht die Ochsentour einer politischen Karriere auf sich nehmen, sondern können sich über Nacht zum Heilsbringer oder Stellvertreter Gottes ausrufen. Manche erküren sich gleich selbst zu Gott.

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