Experte Melber nennt Vereinbarung zu Kolonialverbrechen in Namibia „eine Beleidigung“

Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste (ca. 1907)

Die Vereinbarung zwischen Deutschland und Namibia zu den deutschen Kolonialverbrechen ist nach Ansicht des Afrika-Experten Henning Melber eine Beleidigung.

Deutschlandfunk-Nachrichten

Die vorgesehene deutsche Zahlung von 1,1 Milliarden Euro über 30 Jahre sei schäbig, sagte der frühere Forschungsdirektor des Afrika-Instituts der schwedischen Universität Uppsala dem Evangelischen Pressedienst. Der Bau des Berliner Flughafens habe sieben Milliarden Euro gekostet, der Umbau des Bahnhofs in Stuttgart sei derzeit mit acht Milliarden Euro veranschlagt. „Setzen Sie das mal in Relation zu den 1,1 Milliarden für den eingestandenen Völkermord an den Ovaherero und Nama!“

Melber erklärte, daher rühre auch die Empörung in Namibia, wo die Vereinbarung derzeit hohe Wellen schlage. An sich sei die Initiative ein einzigartiger Schritt, so der deutsch-namibische Politologe. Denn die Bundesregierung sei die erste westliche Regierung, die bereit sei anzuerkennen, dass man einen Völkermord begangen habe. Doch diese „unglaublich wichtige Symbolhandlung“ sei nun mit Begleitumständen behaftet, „die sie zu einem peinlichen Akt“ werden ließen.

Die deutschen Kolonialtruppen hatten zwischen 1904 und 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika Aufstände der Herero und Nama brutal niedergeschlagen. Mehr als 80.000 Menschen kamen ums Leben.