Religion und US-Politik: Entzweit im Glauben


Die Evangelikalen in den USA tagen – und streiten über ihr Verhältnis zu Donald Trump.

Hubert Wetzel | Süddeutsche Zeitung

Wenn sich 16 000 tief gläubige Christen zusammenfinden, dann müsste doch eigentlich, so sollte man meinen, Gottes Segen über dem Treffen liegen. Und man kann auch annehmen, dass in dieser Woche viel für Einsicht und Einigkeit gebetet werden wird in Nashville, wo die diesjährige Versammlung der Southern Baptist Convention (SBC) stattfindet. Doch das wird wohl nichts helfen. Die größte evangelikale Konfession in den USA ist heillos zerstritten. Und das hat nicht nur, aber auch mit dem Mann zu tun, der für so viele Spaltungen in der amerikanischen Gesellschaft verantwortlich ist: Donald Trump.

Die Streitthemen in Nashville sind vielfältig, und nicht immer geht es um Politik. Die SBC ist uneins bei der Frage, welche Rolle Frauen in der Kirchenhierarchie spielen sollen, wie sie mit Fällen von sexuellem Missbrauch in den Gemeinden umgehen soll oder was ihre Haltung gegenüber Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Ehen ist.

Über all dem schwebt jedoch eine harte und sehr weltliche Machtfrage: Wie eng soll das Bündnis der SBC mit den Republikanern sein – sprich: mit Donald Trump, der in der Praxis immer noch der Anführer der Partei ist? Soll die Konfession sich in die von ihm angestachelten Kulturkämpfe stürzen? Oder soll sie Distanz zur Parteipolitik halten?

weiterlesen