Zentralrat der Juden kritisiert Debatte über Äußerungen der Publizistin Emcke


Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Diskussionen über die Äußerungen der Publizistin Carolin Emcke auf dem Grünen-Parteitag kritisiert.

Deutschlandfunk-Nachrichten

Carolin Emcke. (imago images / Sven Simon)

Die Debatte habe zwischenzeitlich „völlig unangemessene Züge“ angenommen, teilte der Verband auf Twitter mit. Es sei Zeit, sie „rasch zu beenden“. Emcke wird nach einer Gastrede vorgeworfen, die Kritik an Klimaforschern mit der Verfolgung von Juden verglichen zu haben. Konkret sagte die per Video zugeschaltete Autorin: „Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen und die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen.“ Emckes Ziel war es offenbar, mit ihrem Vortrag auf einen zunehmenden Populismus und auf Wissenschaftsfeindlichkeit hinzuweisen, doch mit ihrer Formulierung stieß sie vielfach auf Kritik. Zudem wird der Partei vorgeworfen, die Äußerungen während Emckes Rede unkommentiert im Raum stehen gelassen zu haben.

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) schrieb auf Twitter, hier werde das Leid vieler verfolgter, ermordeter und ausgegrenzter Juden für das Klimathema genutzt, das sei nicht zu glauben. CDU-Generalsekretär Ziemiak sprach von einer „unglaublichen und geschichtsvergessenen Entgleisung“ und verlangte eine Klarstellung von Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock. Elio Adler, Vorsitzender der deutsch-jüdischen Organisation „Werteinitiative“, übte ebenfalls Kritik. „Berechtigte Klimaanliegen zu verteidigen, indem man die Opfer jahrhundertelanger Verfolgung und Mordtaten instrumentalisiert, ist völlig inakzeptabel“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Auch unter dem Hashtag #Emcke machten vor dem Hintergrund des aufziehenden Wahlkampfs zahlreiche Menschen auf Twitter ihrem Unmut Luft.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Göring-Eckardt, hatte Emcke dagegen auf Twitter „für eine große Rede“ und „für Aufklärung, für Wahrheit, die zumutbar ist, für die Wirklichkeit“ gedankt. Es sei eine Ehre, in diesem Sinne Politik zu machen. Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Kellner, nahm die Publizistin später in Schutz: „Carolin Emcke ist über jeden Verdacht des Antisemitismus erhaben und hat in ihrer Rede die Logik der Demagogie aufgedeckt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Magazin „Der Spiegel“ kommt nach einer Analyse der Redepassage zu dem Schluss, die Sätze seien aus dem Zusammenhang gerissen. Auch der Publizist Max Czollek wies die Vorwürfe gegen Emcke zurück. „Logisch“ werde hier niemand mit Klimaforscherinnen gleichgesetzt, auch nicht die Juden, führte er aus. Emcke unterstreiche vielmehr, „dass Konjunkturen bestimmter Zuweisungen und Angstkonstellationen existieren.“

Emcke warnte in ihrer Rede vor Wissenschaftsfeindlichkeit, Desinformation und dem Verlust eines gemeinsamen Verständnisses von Fakten. Dies werde sich auch im Wahlkampf zeigen, wobei es keine Rolle spiele, welche Personen oder Parteien betroffen seien – es gehe um die Demokratie. Sie forderte zugleich „eine neue Aufklärung“.