Die Grünen in der Defensive – vom Markenzeichen ist wenig geblieben


Wo ist die Partei, die einst auch gegen den Trend radikal für einen öko-sozialen Aufbruch kämpfte? Der Leitartikel zum Grünen-Parteitag.

Stephan Hebel | Frankfurter Rundschau

Annalena Baerbock und Robert Habeck haben so ziemlich alles weggebissen, was auch nur aus der Ferne nach „Radikaler ist das neue Realistischer“ aussah.© Kay Nietfeld/dpa

Im Januar 2018, als er sich um den Vorsitz der Grünen bewarb, schrieb Robert Habeck: „Parteien – unsere eingeschlossen – sind Mittel zum Zweck. Es geht darum, die Wirklichkeit besser zu machen. (…) Im Ökologischen, im Sozialen, bei Europa müssen wir dafür eher noch radikaler werden, weil die Zukunftsfragen so radikal sind. Und vielleicht ist genau das die Antwort: Radikaler ist das neue Realistischer.“

Was hätte der Bewerber Habeck wohl 2018 gedacht, wenn er dem Vorsitzenden Habeck beim Parteitag des Jahres 2021 zugehört hätte? Was, wenn er die dort beschlossenen Wahlaussagen gelesen hätte?

Vielleicht hätte der Robert Habeck vom Januar 2018 sich gefragt, ob seine Partei statt eines Wahlprogramms versehentlich einen Koalitionsvertrag mit der CDU oder der SPD beschlossen hat. Die Parteiführung unter der fulminant bestätigten Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und ihrem frisch gewählten Co-Spitzenkandidaten Habeck hat nämlich am Wochenende so ziemlich alles weggebissen, was auch nur aus der Ferne nach „Radikaler ist das neue Realistischer“ aussah.

weiterlesen