Die Welt des Philosophen Georg W. F. Hegel


Wie kann man begreifen, was in der Weltgeschichte passiert? Welche Gründe gibt es für weltpolitisch relevante Entscheidungen? Kann man im Laufe der Zeit Muster erkennen, die sich wiederholen? Was wäre von ihnen zu lernen? Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel hat sich Zeit seines Lebens mit solchen Fragen beschäftigt. Am 27. August 1770 geboren, erlebte er wichtige Epocheneinschnitte und markante historische Ereignisse.

Claudia Christophersen | NDR.de

Herr Kaube, Hegel gehört zu den kompliziertesten, höchst anspruchsvollen Denkern der Philosophiegeschichte. Zumindest sind seine Texte immer wieder sehr voraussetzungsreich, sehr komplex, sehr schwierig. Wie ist es Ihnen bei der Lektüre der Texte ergangen? Wie lesen Sie Hegel?

Jürgen Kaube: Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, aus welcher Periode seines Nachdenkens die Texte stammen. Er fängt an mit sehr verständlichen Texten zur Religionsgeschichte – das ist alles sehr verständlich, aber sehr fragmentarisch. Dann kommt die Phase, in der er beschließt, Philosoph zu werden. Es wird sehr dicht und mitunter sehr kryptisch. Spezialthemen der idealistischen Erkenntnistheorie werden behandelt. Da geht einem manchmal die Puste aus.

Gegen Ende seines Lebens geht es um seine Vorlesungen zur Kunst, zur Geschichte, zur Religion, zum Recht und zur Geschichte der Philosophie. Die sind außerordentlich verständlich. Er wendet sich dort an ein „preußisches Beamtenpublikum“. Auch da gibt es Durststrecken und schwierige Passagen, aber alles in allem doch verständlich, sehr lehrreich und sehr an den Sachen orientiert und nicht nur an Begriffen.

Hegel hat versucht, mit der Philosophie die Wirklichkeit zu erkennen und zu erklären. Er entwickelte Konzepte, die bleibend aktuell sind. Welche Ideen davon sind die wichtigsten?

Kaube: Er hatte so eine Art, bestimmten Phänomen seiner Umwelt gedankliche Weltanschauung zuzuordnen. Nehmen wir mal die Aufklärung: Was ist das, Aufklärung? Was sind die Einsichtpotenziale einer Weltsicht, die materialistisch ist und die versucht herauszufinden, was hinter den Dingen steckt? Hegel fragt: Was ist das für ein Konzept? Es gibt Dinge, und es steckt etwas dahinter – Wesen und Erscheinungen. Er ist sehr an Begriffen orientiert, aber auf eine sehr anschauliche Art, indem er entfaltet, was das Potenzial solcher Begriffe ist und was auch die blinden Flecken sind, wenn man sich ganz auf diese Begriffe verlässt.

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