Religionslehrerinnen und -lehrer warnen vor Folgen von Kirchenaustritten


Die Krise im Erzbistum Köln, ausgelöst durch den umstrittenen Umgang mit Missbrauchsfällen, macht auch Religionslehrerinnen und Religionslehrern zu schaffen. Sie fordern mehr Austausch untereinander und mit der Bistumsleitung.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Es gibt viele Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die ihre kirchliche Lehrerlaubnis gerade ruhen lassen oder sogar zurückgeben wollen. Warum? 

Agnes Steinmetz (Vorsitzende der Vereinigung katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer im Erzbistum Köln): Das hat ganz viele verschiedene Gründe. Das hat zum einen den Grund, dass sie in dieser gegenwärtigen großen Krise im Erzbistum Köln nicht mehr mitmachen wollen und sich deshalb auch vor ihrem Gewissen nicht mehr in der Verwantwortung sehen, im Auftrag der Kirche vor Schülerinnen und Schüler zu treten. Denn das bedeutet ja „missio canonica“.

Wir haben den Auftrag, in der Schule die Lehre der Kirche vorzustellen. Das bedeutet nicht, dass wir sie verteidigen müssen. Wir werden aber gefragt, was wir denn davon halten. Und dazu sind offensichtlich Kolleginnen und Kollegen nicht mehr in der Lage, dies positiv zu tun. 

DOMRADIO.DE: Offenbar herrscht in Teilen Ratlosigkeit. Was müsste aus Ihrer Sicht denn passieren, damit sich die Situation für die Lehrerinnen und Lehrer im Erzbistum wieder verbessert? 

Steinmetz: Ich würde gerne erst noch einmal schauen, woher denn diese große Ratlosigkeit kommt. Wir registrieren jetzt gerade bei uns in der Schule die große Gefahr, dass Kirchenaustritte nicht unbedingt Thema bei den Kindern und Jugendlichen sind, sondern dass sie erst einmal das Thema derjenigen Erwachsenen sind, die austreten und dann auch gar nicht mehr dafür sorgen, dass unsere Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht sind.

Wir befürchten, dass es da quasi einen Austritt aus dem Religionsunterricht mit Füßen gibt. Wir befürchten, dass es dann nicht mehr die Möglichkeit gibt, die Schülerinnen und Schüler mit dem zu erreichen, was eigentlich unsere Aufgabe ist. Diese besteht darin, die christliche Botschaft in die Schule zu tragen und das, was wir Christen glauben, einerseits dort zu verkünden aber andererseits auch darüber zu reden, was daran zu zweifeln ist und zu sehen, wie Glaubensleben auch durch Höhen und Tiefen gelingen kann. Das ist ja eigentlich Ziel und Zweck des Religionsunterrichts.

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