Verschwörung für nur 24,99: Die Geschäfte mit der Pandemie


Das rechtsextreme „Compact-Magazin“ ist ein Gewinner der Corona-Krise. Das vom Bundesamt für Verfassungsschutz 2020 als „Verdachtsfall“ eingestufte Blatt ist so etwas wie ein Leitmedium der Szene aus AfD-Wählerinnen und -Wählern, Querdenker-Demonstrierenden und Verschwörungsgläubigen.

Felix Huesmann | Frankfurter Rundschau

Rockig für ganz rechts: Unter „Querdenkern“ ist der Kauf von Fantasien nur einen Klick entfernt.©Vladimir Menck/SULUPRESS.DE

Zu den Corona-Schutzregelungen von Bund und Ländern brachte „Compact“ im März 2021 eine Sonderausgabe heraus; „Corona Diktatur“ steht in großen Lettern auf dem Titel. Abgebildet sind darauf drei Polizeiangehörige in ABC-Schutzanzügen vor einer dystopischen Katastrophenszene mit ausgebombten Hochhäusern. Drohnen schweben umher. Als ginge es um eine Werbung für einen schlechten Endzeitfilm. Auch gegen Impfungen macht Compact immer wieder Stimmung und behauptete etwa in diesem Mai, Angela Merkel bereite eine „Impfpflicht für Kinder“ vor.

„Compact“ ist kein ganz kleines Blatt: Rund 45 000 Abonnements hat das monatlich erscheinende Magazin nach seinen eigenen Angaben; laut dem Web-Analyse-Dienst Similarweb verzeichnet das zugehörige Online-Magazin mehr als 600 000 Besuche im Monat. Die Macher des Magazins wissen, wie man aufstachelt und Angst erzeugt. Und sie wissen auch, wie man aus dem verbreiteten Misstrauen gegenüber staatlichen Vorgaben und gegenüber professioneller Medizin Kapital schlägt.

Das Coronavirus sei eigentlich harmlos, wird von Autorinnen und Autoren des Magazins behauptet, die Pandemie sei von machthungrigen Eliten erfunden, um sich zu bereichern. Auf der einen Seite verbreitet „Compact“ Panik vor einer drohenden „Corona-Diktatur“, auf der anderen Seite titelt das Magazin im Februar 2021 auf seiner Website: „Keine Panik wegen Corona!“ Das Hauptproblem ist demnach nicht das Virus, sondern die Angst davor. Die Gesundheitsvorsorge solle man in die eigenen Hände nehmen, anstatt auf die staatlich organisierte Vorsorge zu vertrauen.

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