Todesstrafe in den USA: „Fehlendes Gefühl für Anstand und Menschenwürde“

Blechdose: Zyklon B. Aufnahme aus der Ausstellung im KL Auschwitz-Birkenau. Bild: wikipedia/Michael Hanke-CC BY-SA 3.0

Bundesregierung interveniert bei US-Behörden wegen geplanter Hinrichtungen mit Cyanwasserstoff. Gas wurde von Nazis als Zyklon B verwendet. Auswärtige Amt plant keine weiteren Schritte

Harald Neuber | TELEPOLIS

Die ehemalige Gaskammer im Staatsgefängnis von New Mexico. Sie wurde nur einmal im Jahr 1960 benutzt. Bild: Shelka04, CC BY 3.0

Die Bundesregierung hat geplante Hinrichtungen mit dem Giftgas Cyanwasserstoff im US-Bundesstaat Arizona verurteilt, plant nach eigenen Angaben aber keine weiteren Schritte, um die verantwortlichen US-Behörden von der Exekutionsmethode abzubringen. Das geht aus Antworten auf eine Anfrage aus dem Bundestag vor, die Telepolis vorlag. Cyanwasserstoff wurde in den Konzentrationslagern der Nazis – vor allem in Auschwitz – unter dem Markennamen Zyklon B für die Massenmorde in den Gaskammern verwendet.

Ende Mai hatte die israelische Tageszeitung Jerusalem Post berichtet, dass 76 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur und der Befreiung der Konzentrationslager sowie nach einem jahrzehntelangen Aussetzen dieser Methode in den USA wieder Menschen mit Cyanwasserstoff getötet werden sollen.

Die Behörden im US-Bundesstaat Arizona planen demnach, Häftlinge aus den sogenannten Todeszellen mit demselben Gas hinzurichten, das einst von dem hessischen Unternehmen Degesch m.b.H. für die Massenmorde in den Konzentrationslagern hergestellt worden war.

Nach Angaben des Blattes haben die Justizbehörden 2.000 US-Dollar für den Erwerb von chemischen Stoffen freigegeben, die erforderlich sind, um das tödliche Gas herzustellen. „Zugleich wurden Inspektionen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die seit 22 Jahren ungenutzte Gaskammer betriebsbereit ist“, heißt es in dem Bericht weiter.

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