Militärbundesrabbiner: Hoffe, Soldatenkarriere wird normal für Juden


Es ist ein historischer Augenblick: 76 Jahre nach der Schoah gibt es in der Bundeswehr ab Montag Seelsorge für jüdische Soldaten. Im Interview spricht der neue Militärbundesrabbiner Zsolt Balla über seine Aufgabe.

 Leticia Witte | katholisch.de

Bild: ©KNA/Markus Nowak

Zsolt Balla ist von diesem Montag an der neue Militärbundesrabbiner. Im Interview erklärt der orthodoxe Landesrabbiner von Sachsen, wie er sein Amt gestalten und wie er sich mit christlichen Seelsorgern austauschen möchte, wie es in seiner Gemeinde in Leipzig weitergeht und was der historische Beschluss über die Einrichtung einer jüdischen Militärseelsorge in Deutschland für ihn bedeutet.

Frage: Rabbiner Balla, was bedeutet Ihnen das neue Amt als erster Militärbundesrabbiner in Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg – und 76 Jahre nach der Schoah?

Balla: Ich spüre ein großes Gewicht auf meinen Schultern, im positiven Sinne. Die neue Aufgabe ist eine große Verantwortung, etwas Gutes für Deutschland und die Juden in Deutschland zu tun. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich diese Chance bekommen habe.

Frage: Wie kam es dazu?

Balla: Seit 2015 versucht das Zentrum Innere Führung der Bundeswehr, Kontakt zu jüdischen Gemeinden aufzubauen, weil es eine Nachfrage jüdischer Soldaten nach Seelsorge gibt. Bisher wandten sich diese an die christlichen Seelsorger innerhalb der Bundeswehr. 2016 nahm ich an der Konferenz „Coping with culture“ teil, an der auch andere Nato-Länder beteiligt waren, in deren Armeen es jüdische Militärseelsorge gibt. Es war inspirierend zu begreifen, wie wichtig interkulturelle Kompetenz im Militär ist. Seitdem hatte ich immer wieder mit der Bundeswehr zu tun und habe mich mit dem Thema beschäftigt. Schließlich wurde ich vom Zentralrat der Juden für die Position ausgewählt.

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