Türkei: Wie die AKP mit Mafia, Söldnern und Dschihadisten kooperiert


Da sich der Pate Sedat Peker auch immer wieder selbst belastet, dürften seine Enthüllungen über kriminelle Verstrickungen der türkischen Regierungsparteien weitgehend glaubwürdig sein

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die Todesstrafe ist in der Türkei offiziell abgeschafft, aber mit dem „Outsourcing“ politisch motivierte Morde kennen sich die Mächtigen aus. Symbolbild: stux auf Pixabay (Public Domain)

In der Türkei spielt gerade Real-Life-Krimi: Ein Mafia-Pate aus dem innersten Kreis des Tiefen Staates packt scheibchenweise darüber aus, wie das Erdogan-Regime und die Mafia die Türkische Republik gemeinsam regieren. Die Protagonisten blamieren sich mit ihren Dementis, weil sie quasi in Echtzeit von Sedat Peker der Lüge überführt werden. Dabei ist es im Grunde nicht neu, was er berichtet. „Viel von dem, was Peker sagt, wurde ja in den letzten Jahren schon von der kurdischen Presse enthüllt“ , sagt der Historiker Nikolaus Brauns. Auch die kurdisch-türkische Linkspartei HDP sowie andere Oppositionelle und Medienschaffende wie Can Dündar hätten sich dazu geäußert.

Teil 1: Türkei: Wie nahe stehen sich Staat und Mafia?

Peker selbst ist ein rechtsextremer Anhänger des Turanismus, der ein Reich aller Turkvölker, genannt „Turan“, propagiert. Er gehörte bis vor Kurzem dem innersten Kreis des „Tiefen Staates“ an. Sein Wissen könnte deshalb das Regime von Präsident Recep Tayyip Erdogan, dessen islamisch-reaktionärer AKP und ihres Juniorpartners, der ultranationalistischen MHP ins Wanken bringen. Daher verfolgen Millionen türkischer Staatsbürger Pekers Videos mit großem Interesse.

Regierende stellen Gülen-Bewegung in den Vordergrund

Am 31. Mai berichtete Telepolis von den Anschuldigungen in Pekers siebtem Video: Der Sohn des früheren Ministerpräsidenten Binali Yildirim, Erkan Yildirim, soll über Venezuela und Panama Drogen im großen Stil in die Türkei geschmuggelt haben. Letztes Jahr soll er in Venezuela gewesen sein, um Kokain-Geschäfte abzuwickeln. Vater Yildirim dementierte: Sein Sohn sei in Venezuela gewesen, um Masken und Corona-Testkits dorthin zu bringen. Die oppositionelle Zeitung Cumhuriyet fand jedoch heraus, dass laut Zollunterlagen in diesem Zeitraum keinerlei Corona – Hilfslieferungen getätigt wurden.

Vielleicht ging es beim Besuch von Erkan Yilidirim neben dem Kokainhandel aber auch um den „Transfer“ von venezolanischem Gold in die Türkei? Das erinnert wiederum an die Geldwäsche über die staatliche Halk Bank mit Gold unter Verletzung der US-Sanktionen gegen den Iran: Dazu tritt der zwielichtige Reza Zarab in den USA als Kronzeuge gegen die Türkei auf.

Man sollte annehmen, dass eine Regierung vorsichtiger agiert, nachdem sie der Zusammenarbeit mit der Mafia überführt worden ist und kriminelle Aktivitäten und Staatsterror ans Licht gekommen sind. Aber der mafiöse Stil innerhalb der türkischen Regierung ist heute tiefer verwurzelt als je zuvor. Erdogan und seine Clique sind sich der Loyalität des Westens und Russlands so sicher, dass sie munter weitermachen. Am 31. Mai berichtete die Tagesschau über die Festnahme und Entführung des Neffen des Predigers Fethullah Gülen, Selahattin Gülen, in Kenia durch den türkischen Geheimdienst MIT. Anfang Juni wurde Orhan Inandi, der Gründer und Leiter der fünf Sebat-Schulen des Gülen-Netzwerks in Bischkek, Kirgisien, tagelang in der türkischen Botschaft festgehalten. Über seinen anschließenden Verbleib gab es zunächst keine Nachrichten.

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