Klimaforscher Latif: Koalition will ein „Larifarigesetz“


Der Bundestag befasst sich heute abschließend mit der geplanten Verschärfung des Klimaschutzgesetzes. Nach Einschätzung des Klimaforschers Latif reichen die geplanten Regelungen noch lange nicht aus.

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Bild: dpa/Markus Scholz

Die Regierungskoalition will festschreiben, dass Deutschland seinen Kohlendioxid-Ausstoß bis 2030 um 65 Prozent statt bisher 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 verringert. Bis 2045 soll die Klimaneutralität erreicht sein.

Der Klimaforscher Latif sagte im Deutschlandfunk, der Entwurf bleibe weit hinter dem zurück, was nötig wäre, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Vorlage sei ein „Larifari-Gesetz“, mit dem man vor der Bundestagswahl niemanden verschrecken wolle, sagte Latif im Deutschlandfunk. Das Gesetz sei sehr vage und wenig konkret.

„Menschen dürfen sich nicht abgezockt fühlen“

Statt an Bestehendem „herumzudoktern“, brauche man ein eine systemische Veränderung, betonte der Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Man habe zwar mit der Reduktion des CO2-Ausstoßes um 65 Prozent ein neues Ziel festgelegt. Wie man dahin kommen solle, sei aber völlig unklar.

Latif fügte hinzu, er hätte sich ein deutliches Signal für einen früheren Kohleausstieg und einen viel stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien gewünscht. Die konkrete Umsetzung der Klimaziele werde nun Aufgabe der künftigen Bundesregierung sein. Der Klimaexperte bemängelte außerdem eine mangelnde soziale Ausgewogenheit des Gesetzes. Er warnte, die Menschen dürften sich nicht „abgezockt“ fühlen.