Sexualisierte Gewalt in der Kirche: „Ich habe so vertraut


Auch die evangelische Kirche hat ein Problem mit sexualisierter Gewalt. Das zeigt die Geschichte von Kati Sörensen.

Gunhild Seyfert | taz

Sie war intelligent, aufmüpfig und zu Hause viel allein. Kati Sörensen sehnte sich nach etwas, das interessanter sein könnte als dieses Leben im kleinen Dorf Langenrehm südwestlich von Hamburg-Harburg. Sie suchte Kontakt zu Menschen, denen sie etwas bedeutete und die inspirierend sein könnten. Kati Sörensen war dreizehn Jahre alt, als sie im Frühjahr 1987 in der benachbarten evangelischen Kirchengemeinde Nenndorf von Pastor Jörg Deneke konfirmiert wurde. Wenige Monate später begann der über 30 Jahre ältere Mann, die 14-jährige besonders anzuschauen und zu berühren. Als sie 17 Jahre alt war, küsste und streichelte er sie nachts im Schlafsaal in einer Jugendfreizeitstätte, wenig später hatte er Sex mit ihr im Pfarrhaus.

Was folgte, konnte Kati Sörensen damals nicht erkennen. Der Pastor verstrickte sie in eine langjährige emotionale Abhängigkeitsbeziehung. Er hatte Sex mit ihr und sprach von der ganz besonderen Liebe. Knapp zehn Jahre nach den ersten Übergriffen schaffte sie es unter großen Anstrengungen, sich von ihm zu trennen. Sie brauchte noch mehr Zeit und Abstand, bis ihr schließlich bei einem Aufenthalt in den USA deutlich wurde: Das war Missbrauch. Knapp dreißig Jahre nach dem ersten Übergriff wurde der Fall öffentlich.

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