„Wir wollen keine Antisemiten, Nazis und Israel-Hasser als Freunde“


Ein offener Brief aus der palästinensischen Demokratiebewegung wird bisher wenig beachtet. Wer sich mit der Bevölkerung Gazas solidarisieren will, sollte ihn zumindest kennen

Peter Nowak | TELEPOLIS

Im Rahmen der Kampagne „Jews and Arabs refuse to be Enemies“ wurden viele Bilder dieser Art in sozialen Netzwerken geteilt. Quelle: Laura Lian / Twitter

Als vor wenigen Wochen der Konflikt zwischen der israelischen Armee und Palästinensern im Gazastreifen erneut eskalierte, gab es auch in Deutschland wieder pro-palästinensische Kundgebungen und Demonstrationen, die zum Teil nicht frei von antisemitischen Inhalten und Parolen waren. In der Folge gab es auch Solidaritätsdemonstrationen mit Israel. Zudem entspann sich sofort wieder eine politische Debatte, die vor allem auf repressive Maßnahmen abzielte – wie etwa das Verbot bestimmter Symbole und Fahnen, die islamistischen Organisationen zugeordnet wurden.

Kein Krieg zwischen Palästinensern und Israelis

Wenig beachtet wurde hingegen, ein Brief von Mohammed Altlooli, der wegen seiner oppositionellen Haltung zum Hamas-Regime im Gazastreifen verfolgt wurde und ins Ausland fliehen musste. Der in englischer Sprache verfasste Brief wurde mittlerweile auch ins Deutsche übersetzt. Darin betont Altlooli, dass Juden und Palästinenser keine Feinde seinen und dass es in der Vergangenheit genügend Beispiele für eine Kooperation gegeben habe. Altlooli erinnert auch daran, dass sich viele Menschen im Gazastreifen im Alltag mehr vor der dort regierenden Hamas und ihrem Repressionsapparat als vor der israelischen Armee fürchten.

Wenn dann, wie vor einigen Wochen, die israelische Luftwaffe Bomben einsetzt, die natürlich alle Einwohner bedrohen, liegt die Ursache auch in der Politik der Hamas, die die Bevölkerung des Gazastreifens in Geiselhaft für ihre Politik gegen Israel nimmt, um sich als imaginierter Verteidiger des Islam aufzuspielen. Als Aktivist des Gaza Youth Movement verdeutlicht Altlooli:

Wir weigern uns, dies einen Krieg zwischen Palästinensern und Israelis zu nennen. Denn selbst wenn ich die Zerstörung in Gaza sehe, empfinde ich keinen Hass gegen die Bevölkerung Israels. Ich weiß, dass viele Israelis selbst in Angst leben und sich in Schutzräumen verstecken müssen, viele wurden getötet und verletzt. Das ist nicht mein Krieg, es ist nicht der Krieg derjenigen, die sich wie ich nach einer besseren Zukunft sehnen.

(Mohammed Altlooli, Gaza Youth Movement)

Der Aktivist aus dem Gazastreifen betont auch, dass die Hamas nicht in seinen Namen spricht. Damit kommt Altlooli zur Kritik an den Demonstrationen in vielen europäischen Ländern während des letzten Konflikts zwischen Israel und der Hamas. Er wirft den Organisatoren vor, unkritisch die Position der Hamas zu übernehmen und den Eindruck zu erwecken, hier handele es sich um die Position „der Palästinenser“. Damit distanziert sich Altlooli auch von Antisemitismus und regressiver Israelkritik, von welcher Seite sie auch kommt.

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