Christentum von rechts: Konservative Theologie im Kampfmodus


Viele Stimmen der neuen Rechten beschwören ein christliches Abendland. Das ist nicht nur Instrumentalisierung des Glaubens, sagt der Theologe Martin Fritz. Rechte Christen greifen altbekannte konservative Theologie auf, nur ins Aggressive gewendet.

Martin Fritz im Gespräch mit Kirsten Dietrich | Deutschlandfunk Kultur

Kreuz trifft Aluhut: Demonstranten auf einer „Querdenken“-Kundgebung (imago / Ralph Peters)

Kirsten Dietrich: In Sachen erstarkender Rechtsextremismus wähnten die Kirchen sich lange auf der sicheren Seite. Man verurteilte Auswüchse der entsprechenden politischen Verantwortlichen. Es gab in einigen Kirchen Unvereinbarkeitsbeschlüsse: Wer in der AfD ist, kann nicht im Kirchenvorstand sein, zum Beispiel. Und doch wird immer klarer: Das reicht nicht.

Brückenschlag zur neurechten Bewegung

Es gibt eben auch kirchliche Gruppen, die mit ihrer Art des Glaubens die Brücke schlagen zu Akteuren im rechtsextremen Spektrum und in der neurechten Bewegung, die versucht, Positionen jenseits des Konservativen salonfähig zu machen, ohne gleich mit klassisch nationalsozialistischen Gedanken in Verbindung gebracht zu werden. In dieser „neuen Rechten“ also spielt der Bezug aufs Christliche durchaus eine Rolle. Aber was für ein Christentum wird dort propagiert? Damit hat sich der evangelische Theologe Martin Fritz beschäftigt.

Herr Fritz, in einem Aufsatz im Sammelband „Christentum von rechts“ untersuchen Sie theologische Grundmotive der christlichen Rechten in Deutschland. Das heißt, es geht Ihnen nicht um absolute Abgrenzung im Sinne von „Wir als Kirche stellen uns entschieden gegen jede Art von Rechtsextremismus“, sondern es geht Ihnen um das tiefere Verstehen. Warum ist das so wichtig?

Martin Fritz: Na ja, grundsätzlich ist natürlich Verstehen immer gut, auch zu verstehen, was für Dynamiken eine Rolle spielen in solchen Prozessen der Radikalisierung von bestimmten Christen. Damit ist auch schon die These angesprochen: Meines Erachtens handelt es sich im Grunde um ein konservatives Christentum, das sich aufgrund bestimmter Polarisierungs- und Marginalisierungsprozesse radikalisiert in Richtung populistische neue Rechte.

Und auch um diese Radikalisierungsprozesse künftig zu unterlaufen, schwerer zu machen oder zu verhindern bei manchen konservativen Christen, lohnt es sich zu verstehen, was da für Anliegen, Affekte, Motive dahinterstehen.

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