Pharmafirmen und Universitäten halten immer noch die Resultate von fast 6000 medizinischen Studien in der EU zurück, obwohl die Veröffentlichung ihre Pflicht wäre. Das schadet Patienten massiv, kritisieren Experten.
Christina Berndt, Markus Grill | Süddeutsche Zeitung
Peter Grabitz wollte seinem Onkel unbedingt helfen. Menschen helfen, ihnen in schwierigen Momenten beistehen, Kranken eine möglichst gute Behandlung angedeihen lassen – wozu sonst studierte er Medizin? So stand Grabitz im Jahr 2018 natürlich auch seinem Onkel Michael Zehnbauer zur Seite, als der 53-Jährige eine schlimme Nachricht von seinen Ärzten erhielt: Seit einem halben Jahr schon litt Zehnbauer an Gallengangkrebs, einer Krankheit, mit der man durchschnittlich noch zwei Jahre zu leben hat. Nun gaben die Ärzte ihm nur noch wenige Wochen. Sie hatten alles versucht, für sie war der Patient austherapiert.
Nur eine winzige Möglichkeit eröffneten sie ihm noch: Michael Zehnbauers Krebs hatte eine besondere Mutation. Und tatsächlich gab es ein Medikament namens Enasidenib, das von der Firma Celgene genau für solche Tumoren entwickelt worden war. Es hatte jedoch nur eine Zulassung für Blutkrebs. Untersucht worden war das Medikament aber auch in einer Studie an Patienten mit festen Tumoren, darunter Gallengangkrebs. Für Michael Zehnbauer war das ein Hoffnungsschimmer. Es war sogar mehr als das. Es war seine letzte Hoffnung.