Gegner nannten sie die „Straße ins Nirgendwo”, die damalige Regierung sah sie als wichtiges Infrastrukturprojekt: Eine mit chinesischer Hilfe gebaute Autobahn durch unwegsames Gelände in Montenegro.
Christiane Kühl | Merkur.de

Der Bau durch die Berge des Balkanlands verzögert sich, doch der Kredit von einer chinesischen Bank über umgerechnet 832 Millionen Euro für das 41 Kilometer lange Autobahnstück ist trotzdem jetzt fällig. Das klamme Montenegro aber kann nicht zahlen. Und so kam es zu einer Geschichte, die beispielhaft ist für das Dilemma der EU im Westbalkan.
Denn die neue Regierung Montenegros hatte die EU im Frühjahr um Hilfe für die von ihren Vorgängern vereinbarte Kreditzahlung gebeten. Brüssel aber lehnte ab. China* stellte in einem Telefonat zwischen Präsident Xi Jinping und seinem Amtskollegen Milo Đukanović nach dessen Angaben einen Aufschub für die Rückzahlung bis Ende 2022 in Aussicht. Đukanović hatte, damals als Ministerpräsident, das Projekt gepuscht. Er wollte eine 180 Kilometer lange Autobahn von der Hafenstadt Bar an der Adria nach Boljare an der Grenze zu Serbien bauen. Von dort sollte die Straße weiter nach Belgrad führen. Das Teilstück-Projekt, um das es jetzt geht, startete 2014 und wird von der China Road and Bridge Corporation realisiert; 85 Prozent der Finanzierung gab die staatliche chinesische Export-Import Bank.