Warum der Putschversuch in der Türkei noch immer nicht aufgeklärt ist


Am 15. Juli 2016 starben 251 Menschen beim missglückten Putsch in der Türkei. Vieles bleibt unklar, sicher ist nur: Erdogan wurde danach noch mächtiger.

Susanne Güsten | DER TAGESSPIEGEL

Erdogan-Anhänger überwältigten schließlich viele der Putschisten.Foto: REUTERS

Abdullah Tayyip Olcok war 17 Jahre alt, als er in der Putschnacht vom 15. Juli 2016 auf der Istanbuler Bosporus-Brücke für den Präsidenten ins Feuer ging. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich gerade per Mobiltelefon ins Fernsehen schalten lassen und das Volk zum Widerstand gegen die Putschisten aufgerufen, die auf der Brücke zwischen Europa und Asien standen. Für Abdullah Tayyip, von seinen Eltern bei der Geburt nach Erdogan benannt, war es Ehrensache, mit seinem Vater zur Brücke zu eilen und sich den Soldaten entgegenzustellen.

Die erste Kugel traf den Vater – Erol Olcok, den PR-Chef der Regierungspartei AKP und Vertrauten von Erdogan. Als sein Sohn ihm zur Seite springen wollte, wurde auch er von zwei Kugeln getroffen. Abdullah Tayyip Olcok wird von der Türkei heute – wie sein Vater – als Märtyrer für die Demokratie verehrt, doch seine Mutter hat eine Oppositionspartei gegründet und stellt der Regierung unbequeme Fragen über den Putsch. Was in jener Nacht wirklich geschah, so meint nicht nur Nihal Olcok, das ist fünf Jahre später noch nicht aufgearbeitet.

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