Operation Rohrkolben: Wie Dänemark Angela Merkel überwachte


Dänemarks Nachrichtendienst hat deutsche Spitzenpolitiker ausspioniert. In wessen Auftrag? Und warum regt sich die Bundesregierung nicht auf? Eine Spurensuche.

Maurice Frank | Berliner Zeitung

Ende Mai hat Niel Fastrup, ein Reporter des dänischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks DR, einen neuen Aspekt des NSA-Abhörprogramms entdeckt: Der dänische Geheimdienst, Forsvarets Efterretningstjeneste (FE), soll von 2012 bis 2014 den USA die Nutzung der geheimen Abhörstation Sandagergårdan südlich von Kopenhagen, wo sich ein Internetknoten verschiedener Unterseekabel befindet, zur Verfügung gestellt haben. Spitzenpolitiker in Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen und den Niederlanden wurden abgehört. Anonyme Quellen nennen die Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dem früheren Finanzminister Peer Steinbrück und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Die Quellen von DR beziehen sich auf einen internen Bericht der FE mit dem Namen „Operation Dunhammer“(Rohrkolben), der nach den Snowden-Enthüllungen klären sollte, wann genau die Dänen mit der NSA kooperiert haben. Mehr als viele vorher dachten, lautete die Antwort im Mai.

Macron und Merkel zeigten sich empört und forderten rasche Aufklärung. „Ich möchte sagen, dass das zwischen Bündnispartnern inakzeptabel ist“, so Macron. Die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen distanzierte sich von der Abhörpraxis: „Systematisches Abhören enger Verbündeter ist inakzeptabel.“

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