Opioid-Krise: Die «andere» Epidemie der USA grassiert unvermindert – die Schuld tragen nicht nur Pharmafirmen und Ärzte

Geld und Pillen

Mit einem milliardenschweren Vergleich räumt die Pharmabranche ihre Verantwortung für die verheerende Drogenkrise in den USA ein. Doch die falschen Anreize im Gesundheitssystem haben ebenso dazu beigetragen und bestehen fort.

Meret Baumann | Neue Zürcher Zeitung

Opioidhaltige Schmerzmittel haben in den USA Hunderttausende in die Sucht getrieben. In den letzten zwanzig Jahren kamen über eine halbe Million Menschen wegen einer Überdosis von Opioiden ums Leben. Patrick Sison / AP

Es ist ein symbolträchtiger Zufall: Just am selben Tag, an dem im jahrelangen Rechtsstreit um opioidhaltige Schmerzmittel ein gigantischer Vergleich publik wurde, veröffentlichte die Gesundheitsbehörde CDC ihren Bericht zur Lebenserwartung in den USA. 2020 ging diese um anderthalb Jahre auf ein Alter von gut 77 zurück – es ist der stärkste Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg.

Natürlich hängt er mit der Pandemie zusammen, rund drei Viertel des Rückgangs werden mit Covid-19 begründet. Doch nach zuvor jahrzehntelangem Anstieg hat die Lebenserwartung in Amerika schon 2014 zu sinken begonnen, was eine Ausnahmeerscheinung ist für ein hochentwickeltes Industrieland. Ein wesentlicher Grund dafür ist die seit den neunziger Jahren grassierende Opioid-Epidemie.

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