Wiener IS-Prozess: Der „Meister“ und sein theologischer Sinneswandel


Ein bereits zu 20 Jahren Haft verurteilter früherer Prediger soll dem radikalen Islamismus mittlerweile abgeschworen haben, meinen ein Betreuungsverein und zwei Geistliche

Michael Möseneder | DERSTANDARD

Zeitweise sehr emotional wurde es am siebten Verhandlungstag des Terrorprozesses im Großen Schwurgerichtssaal. Foto: APA / Herbert Neubauer

Als Prediger „Ebu Tejmar“ soll Mirsad O. laut Anklage seine Mitangeklagten und andere Muslime dazu gebracht haben, in Syrien aufseiten islamistischer Gruppen in den Krieg zu ziehen. Das bestreitet der 39-Jährige auch nicht, er will sich aber mittlerweile gewandelt haben. Zum Beleg lässt Verteidiger Leonhard Kregcjk am siebten Verhandlungstag vom Vorsitzenden Stellungnahmen des Vereins Derad und zweier katholischer Gefängnisseelsorger verlesen, die dem im Jahr 2016 zu 20 Jahren Haft verurteilten O. ein denkbar gutes Zeugnis ausstellen.

Derad, eine Organisation, die sich um die Deradikalisierung verurteilter Islamisten bemüht, kommt zum Schluss, dass der Zweitangeklagte von ehemaligen Gesinnungsbrüdern mittlerweile als „Abtrünniger“ bezeichnet werden würde. Tatsächlich distanziere er sich in der Justizanstalt, in der er inhaftiert ist, auch von radikalen Mitgefangene, weshalb diese schlecht über ihn reden würden. O. habe sich bei den Gesprächen, die er zweimal pro Woche besucht, auch über den Anschlag vom 2. November „erschüttert und wütend“ gezeigt. Er habe Angst, dass solche Aktionen dazu führen könnten, eine feindselige Stimmung gegen Muslime zu schaffen, was seiner Familie Nachteile bringen könnte.

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