Der tiefe Fall des Mike Pence


Erst Vize, dann Präsident: So dürfte die Kalkulation von Mike Pence ausgesehen haben. Doch trotz eiserner Treue zu Donald Trump ist Pence heute bei den meisten Republikanern unten durch – dazu genügte ein einziger Tag.

Sebastian Hesse | tagesschau

Mike Pence bei einer Rede vor der Heritage Foundation. EPA

Es gab da diesen Witz, der in Washington lange Zeit für Schenkelklopfen gesorgt hat. Frage: „Mit welchen Worten begrüßt Mike Pence seine Frau am Frühstückstisch?“ Antwort: „Dank Ihrer großartigen Führung, Herr Präsident, wünsche ich Dir einen guten Morgen!“ Vier Jahre lang hatte Pence jede Äußerung bei jedem öffentlichen Auftritt mit Trump mit der Formel „Dank Ihrer großartigen Führung, Herr Präsident“ begonnen. Schmeichelei und Unterwürfigkeit erlangten in diesen Jahren eine neue Dimension.

Es ist viel darüber spekuliert worden, was dem damaligen Vizepräsidenten in diesen Situationen wirklich durch den Kopf gegangen ist. Pence und Trump: Das war ein ungleiches Paar. Der streng gläubige Konservative alter Schule und der Baulöwe, Kasinobetreiber und Playboy, der spät zu den Republikanern wechselte und noch später in die aktive Politik. Pence und Trump: Das war eine Zweckgemeinschaft. Der Quereinsteiger, der neue Wählerschichten für die Republikaner erschloss und der Traditionalist, der zunächst loyal mitwirkt und dann das Erbe antritt.

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