Großbritannien: Erste Bilanz der „Freiheitswoche“

Bild von Adam Derewecki auf Pixabay

Ende der Maßnahmen? Die britische Wirtschaft gerät wegen Arbeitnehmer in Quarantäne ins Stocken. Die Regierung will ab Ende September auf verpflichtende Impfzertifikate setzen

Christian Bunke | TELEPOLIS

Seit Beginn vergangener Woche gibt es in Großbritannien eine neue Wortschöpfung: „Pingdemic“. Laut unter anderem von der britischen Tageszeitung Guardian zitierten Statistiken aus dem staatlichen Gesundheitswesen von England und Wales hat es in der Woche bis zum 14. Juli bei knapp über 600.000 Menschen „Ping“ gemacht.

Für die Betroffenen ist das kein freudiges Ereignis. Im Gegenteil handelt es sich um den Warnhinweis einer vom Gesundheitswesen NHS herausgegebenen Handyapp, wonach man sich in unmittelbarer Nähe eines Covid-19 Infizierten aufgehalten hat und nun deshalb in Quarantäne gehen muss.

In Corona-Quarantäne ist derzeit auch der britische Premierminister Boris Johnson. Von seinem Regierungspalast in Chequers aus beobachtet er den Verlauf der so genannten „Freiheitswoche“ in England. Und was soll man sagen, die Sache läuft nicht richtig rund.

Zwar sind die seit Montag wieder geöffneten Nachtclubs mit jungen feiernden Menschen sehr gut gefüllt. Doch dramatisch wachsende Infektionszahlen geben auch Boris Johnson, einem Verfechter der Herdenimmunitätstheorie, Anlass zur Sorge.

Rund 50.000 neue Covid-Fälle werden in Großbritannien derzeit täglich gemeldet. Das britische Gesundheitsministerium rechnet mit einem Anstieg auf 100.000 neue Fälle pro Tag innerhalb weniger Wochen.

Über 600.000 „gepingte“ Menschen, das sind Hunderttausende Lohnabhängige, die in Quarantäne sitzen und nicht am Arbeitsplatz erscheinen. Manche Branchen waren schon ohne Covid in Bedrängnis. So fehlen im Transportsektor laut Angaben des Unternehmerverbandes „Road Haulage Association“ 100.000 Lkw-Fahrer in Großbritannien.

Teilweise ist das eine Brexit-Auswirkung: Viele ost-europäische Fahrer sind nach dem EU-Austritt Großbritanniens wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Doch auch die Pandemie leistet ihren Beitrag. Lieferketten stehen zunehmend unter Druck.

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