Hakoah-Präsident Haber über Israel-Hass im Judo: „Sportler sollten lebenslang gesperrt werden“


Überrascht war Paul Haber vom ersten Skandal der Olympischen Spiele nicht. Der algerische Judoka Fethi Nourine zog seine Teilnahme in der Klasse bis 73 Kilogramm zurück, um im Falle eines Auftaktsieges nicht in der zweiten Runde gegen den Israeli Tohar Butbul antreten zu müssen. „Passiert ist so etwas ja schon öfter, deswegen macht es mich aber nicht weniger traurig“, sagt Haber, Präsident des jüdischen Sportvereins Hakoah Wien, zum STANDARD.

Florian Vetter | DERSTANDARD

Judoka Tohar Butbul(oben) Foto: EPA/Nuno Veiga

Die Reaktion des Judo-Weltverbandes IJF, Nourine sowie dessen Trainer Amar Benikhlef vorläufig zu suspendieren, geht Haber als Strafe nicht weit genug. „Sportler und Funktionäre sollten lebenslang gesperrt werden. Das ist ein klar antijüdisches Verhalten, das klar im Gegensatz zum olympischen Frieden steht.“

Druck auf Familien

Dass etwa auch iranische Sportler nicht gegen Israelis antreten, hat mittlerweile traurige Tradition, besonders im Judo. Bei der WM vor zwei Jahren wurde der damalige Iraner Saeid Mollaei von seinem Verband durch Drohungen gegen ihn und seine Familie dazu gezwungen, absichtlich zu verlieren, um im Finale nicht gegen Sagi Muki aus Israel antreten zu müssen. Mollaei floh nach Deutschland, fand Asyl und trat international unter der Flagge des Flüchtlingsteams an. In Tokio kämpft er für die Mongolei, die ihn vor zwei Jahren eingebürgert hat.

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