Therapievorschlag: Tempolimit 120 auf deutschen Autobahnen


Die nächste Bundestagswahl wird am 26.09.2021 stattfinden. Damit könnte die Epoche der grenzenlosen Raserei und des Drängelns auf deutschen Autobahnen ein für allemal ein Ende haben. Und damit auch die unheilige Allianz von übermotorisierten Autofahrern, toxischen Rasern und der Autolobby in Wirtschaft und Politik entscheidend geschwächt werden.

Christopher Stark | TELEPOLIS

Grafik: TP

Es geht ein Gespenst um in der Bundesrepublik – das Gespenst des Tempolimits. Jedenfalls klingt das so, wenn man CDU-, AfD- oder FDP-Männern zuhört.

Quizfrage: Bei welcher Tätigkeit kann man in Deutschland innerhalb einer Stunde mehrere Male Opfer von Straftaten werden, ohne dass dies rechtliche Konsequenzen hat? Antwort: Beim Fahren auf der Autobahn mit einem nicht übermotorisierten PKW.

Ganz normale Überholvorgänge – sagen wir einmal, man überholt einen LKW auf der linken Spur mit Tempo 120 km/h – werden hierzulande zur Falle, wenn anti-soziale Raser und Drängler mit 250 km/h innerhalb weniger Sekunden am Horizont auftauchen und einem an der Stoßstange kleben bleiben. Stets mit der Haltung, immer im Recht zu sein und ohne die Bereitschaft, in friedlicher Koexistenz mit den Mitmenschen fahren zu wollen. Am besten noch mit Lichthupe und aggressiven Rechts-Links-Schwenkern.

Für die Raser selber stellt sich das alles naturgemäß ganz anders dar: Wer mit solch wahnwitzigen Geschwindigkeiten angerast kommt, für den mag das Handeln eines PKW-Fahrers, der mit vermeintlich lächerlichen 120 km/h einen LKW überholt, wie eine versuchte Nötigung vorkommen.

Schon wegen einer solchen Spannweite von Geschwindigkeiten auf der linken Spur von Autobahnen gehört ein Tempolimit eingeführt; denn eine solche Situation ist gefährlich und sehr stressig für alle involvierten Verkehrsteilnehmer.

Es gibt ja durchaus auch ältere Autos, Oldtimer o.ä., die einen LKW nur sagen wir mit 105 km/h überholen können. Und auch die müssen von ihrem Recht Gebrauch machen können, einen langsamer fahrenden LKW zu überholen. Auch wenn die Geschwindigkeitsdifferenz lediglich 5 km/h beträgt, ist das nicht das Problem des „langsam“ fahrenden Autos.

Der Raser ist in diesem Fall selbstverständlich dazu verpflichtet, abzubremsen und zwar mit ausreichendem, respektvollem Sicherheitsabstand. Dass man dies hier explizit erwähnen muss, zeigt, dass wir ein Problem in Deutschland haben.

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