Der Drucker hat sie verraten


Reality Winner enthüllte, wie sich Russland in die US-Wahlen einmischen wollte. Was viele als Patriotismus feiern würden, verfolgte die amerikanische Regierung als Spionage. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Whistleblowerin.

Adrienne Fichter | Republik

Das Gefängnis durfte sie verlassen, die elektronische Fussfessel sorgt weiter für die totale Überwachung rund um die Uhr: Reality Winner in ihrem Elternhaus. Christopher Lee/Redux/laif

Wenn in Europa von Whistle­blowern die Rede ist, denen in den USA wegen Verletzung des sogenannten «Espionage Act» drakonische Strafen drohen, dann geht es meistens um zwei Männer: Edward Snowden und Julian Assange.

Die wenigsten hingegen kennen die Geschichte der 29-jährigen Reality Winner.

Die Amerikanerin arbeitete für den US-Nachrichten­dienst NSA und gab 2017 geheim­dienstliche Informationen an das Magazin «The Intercept» weiter. Dafür wurde sie 2018 zu 5 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Vor einigen Wochen ist Winner vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie muss im Hausarrest verbleiben, eine elektronische Fussfessel tragen und wird von einer App auf ihrem Smart­phone geortet und überwacht.

Reality Winners Geschichte ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Nicht nur aufgrund des Umstands, dass sie eine Frau ist. Sondern auch wegen ihrer Biografie, die so ganz anders ist als die einer klassischen Whistle­blowerin. Und aufgrund des Umstands, dass sie gar nie eine Whistle­blowerin werden wollte. Wie sie es selbst im Verhör ausdrückte: «Ich habe nicht versucht, Snowden zu sein.»

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