Ein demenzkranker Schweizer befindet sich in den Fängen einer christlichen Sekte – Gloriavale

Bild: HP gloriavale.org.nz. Screenshot bb

In der ultrakonservativen Gemeinschaft Gloriavale leben 600 Mitglieder nach strengen Vorschriften. Ein Schweizer, der seit fast 50 Jahren dabei ist, leidet an Demenz. Das eidgenössische Aussendepartement bietet Hilfe an.

Matthias Stadler | Neue Zürcher Zeitung

«Als Jugendliche hatte ich mir immer gesagt, lieber würde ich sterben, als ‹draussen› zu leben»: Rosanna Overcomer, neuseeländisch-schweizerische Doppelbürgerin und ehemaliges Gloriavale-Mitglied. Matthias Stadler

Die Institution Gloriavale ist in Neuseeland bekannt wie ein bunter Hund. Jeder «Kiwi» kennt Geschichten über die Gemeinschaft, die zurückgezogen und abgeschieden auf der Südinsel lebt. Das Markenzeichen der Mitglieder sind die blauen Uniformen – die Frauen kleiden sich in lange Röcke und bedecken ihre Haare mit einem Schal, die Männer tragen Krawatte. Die rund 600 Personen führen ein streng christliches Leben. Sex vor der Ehe, Verhütung und Scheidungen gibt es nicht.

Doch mit der christlichen Nächstenliebe hapert es, wie ehemalige Mitglieder berichten. Auch die Aussteigerin Rosanna Overcomer, die in der Gemeinschaft aufwuchs und 27 Jahre dort verbrachte, wirft der Sekte Fehlverhalten vor. Ihr Vater, ein Auslandschweizer, der seit rund acht Jahren an Demenz leidet, werde nur ungenügend gepflegt und schlecht behandelt, erklärt sie gegenüber der NZZ. Einzig seine Frau kümmere sich um den 73-Jährigen. «Aber er braucht rund um die Uhr Pflege, was meine Mutter alleine kaum schaffen kann. Wäre er einer der Führer von Gloriavale, hätte er schon längst angemessene Betreuung erhalten», sagt Rosanna Overcomer. Ihr Vater werde von vielen Mitgliedern wegen seiner Krankheit als «Platzverschwendung» gesehen.

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