Kirchenrechtler Lüdecke: Synodaler Weg ist „Täuschung“ der Gläubigen


Der Synodale Weg sei nur „betreutes Diskutieren“ ohne Konsequenzen: In seinem neuen Buch übt der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke scharfe Kritik am deutschen Reformprozess. Es würde Spielraum vorgetäuscht, wo keiner sei, sagt er im Interview.

Norbert Demuth | katholisch.de

Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke (62) stellt dem Reformdialog in der katholischen Kirche in Deutschland – dem Synodalen Weg – ein äußerst schlechtes Zeugnis aus. Laienkatholiken würden über die Absichten der kirchlichen Hierarchie getäuscht, die nicht zu wirklichen Reformen bereit sei. Im Interview spricht Lüdecke über sein neu erschienenes Buch „Die Täuschung. Haben Katholiken die Kirche, die sie verdienen?“

Frage: Herr Professor Lüdecke, warum haben Sie das Buch geschrieben? Wollten Sie die Bischöfe anklagen oder die Laienkatholiken aus einem Dornröschenschlaf wecken?

Lüdecke: Nein, Angriffslust war mit Sicherheit kein Motiv. Es war eher eine Art Verwunderung, ein zunächst verständnisloses Staunen darüber, dass die Laien auf diesem Synodalen Weg mitmachen. Also: Ein Augenöffner sollte das Buch schon sein. Denn die kirchliche Autorität erklärt ja offen, dass Laien beim Synodalen Weg mitreden, aber keinesfalls entscheiden dürfen.

Frage: Warum dürfen sie das nicht?

Lüdecke: Weil sie einem Stand in der Kirche angehören, der nach kirchenamtlichem Selbstverständnis dazu weder berufen noch fähig ist. Und weil es in der katholischen Kirche als gottgewollt gilt, dass Laien in diesem Sinn nicht entscheiden können, habe ich mich gefragt: Warum verbringen Laien kostbare Lebenszeit beim Synodalen Weg? Rauskommen können ja nur Bitten an die Bischöfe oder Bitten der Bischöfe an den Papst.

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