Antisemitischer Quark


Die internationalistische Queer Pride versammelte Antisemiten und Feier­wütige. Die queere BDS-Szene verbucht die Demonstration als Gelände­gewinn.

Kirsten Achtelik | jungle world

Für manche das wichtigste queere Thema. Israel spielte eine zentrale Rolle bei der internationalistischen Pride am 24. Juli in Berlin Bild: RechercheNetzwerk.Berlin

Die internationalistische Queer Pride, die in Berlin am Samstag von Neukölln nach Kreuzberg zog, sollte die Alternative sein zum großen CSD, eine unkommerzielle, radikale und intersektionale Veranstaltung. Bei näherer Betrachtung erwies sich die Demonstration allerdings eher als queere BDS-Veranstaltung denn als antikapitalistische Pride.

Aufgerufen hatte das Bündnis Queers Against Racism and Colonialism (Quarc). Einige der darin zusammengekommenen Gruppen sind einschlägig für ihre eigenwillige Interpretation von Antisemitismus bekannt, wie Berlin Against Pinkwashing oder der BDS Berlin. Palestine Speaks, Bloque Latinoamericano Berlin und der neu gegründete Jewish Bund Berlin waren zuletzt im Zusammenhang mit der vermeintlich migrantischen Neuausrichtung der revolutionären 1. Mai-Demonstration aufgefallen (Jungle World 17/2021), die antisemitischen Parolen im ersten Block Raum gab.

Nachdem ein explizit nicht eingeladener BDS-Block 2019 zum Abbruch eines alternativen CSD geführt hatte, rief die entsprechende Szene in diesem Jahr zu ihrer eigenen Demonstration auf.

Nun also der CSD. Nachdem ein explizit nicht eingeladener BDS-Block 2019 zum Abbruch eines alternativen CSD geführt hatte, rief die entsprechende Szene in diesem Jahr zu ihrer eigenen Demonstration auf. Schon der Aufruf wirkte wie eine modernisierte Variante alter antiimperialistischer Gewissheiten. Während »indigene Völker« eingeladen waren, »zu feiern, zu tanzen, zu schreien und die Straßen zu erobern«, wurden »Antideutsche« ausgeladen. Im »Awareness Statement« heißt es: »Es gibt keine Befreiung für uns ohne die Befreiung der Palästinen­ser:Innen. Die sogenannten Antideutschen sind bei dieser Veranstaltung nicht willkommen.«

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