Kinderleichenfunde in Kanada: „Man kann die Wahrheit nicht mehr leugnen“


Immer neue Funde von Leichen indigener Kinder haben einen Umbruch in der kanadischen Gesellschaft ausgelöst. Doch das Land ahnt, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit immer noch am Anfang steht.

Carsten Schabosky | tagesschau

Mahnmal in Kamloops, Indian Residential School. dpa

Es ist eine Sensation: Anfang Juli wird Mary Simon zu Kanadas ersten indigenen General-Gouverneurin ernannt. Das kanadische Fernsehen übersetzt das Ereignis simultan: auf Inuktitut – der Sprache vieler Ureinwohner des Landes.

Gleich in Ihrer Antrittsrede erinnert Simon an das Top-Thema, das Kanada seit etwa zwei Monaten beschäftigt: „Die Entdeckungen anonymer Kinder-Gräber nahe eines ehemaliger Internats haben mich sehr erschreckt. Ich glaube, dass Versöhnung eine Lebenseinstellung ist. Jeden Tag muss daran gearbeitet werden.“

Von Familien getrennt, in Internate gesteckt

„Viele Kinderleichen gefunden“ – das war im Frühsommer die Breaking-News in Kanada. Auch etwa zwei Monate nachdem das Unfassbare ans Licht kam, steht Kanada unter Schock. In den vergangenen Wochen wurden die Überreste von fast 1000 Leichen von Kindern der kanadischen Ureinwohner gefunden, die meisten in der Provinz British-Columbia. Es kam zu Protesten, zwei Kirchen wurden niedergebrannt.

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