Größter Rechtsprozess im Vatikan zum Scheitern verurteilt? „Ein grundsätzliches Systemproblem“


Betrug, Untreue oder Erpressung? Im Vatikan hat in dieser Woche der größte Prozess in der Vatikangeschichte begonnen und wurde direkt wieder vertagt. Politikwissenschaftler Ralph Rotte erklärt, warum der Prozess zum Scheitern verurteilt sein könnte.

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DOMRADIO.DE: Das vatikanische Rechtssystem orientiert sich an Italien. Normalerweise ist es auch so: Wenn Prozesse stattfinden, wird das von der italienischen Justiz bearbeitet. Das ist jetzt einer der wenigen Fälle, wo das nicht so ist, wo der Vatikan sich quasi selber richtet. Warum ist das so?

Prof. Ralph Rotte (Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik, RWTH Aachen): Ich denke, das liegt vor allen Dingen daran, dass es die Gemengelage ist, dass man zum ersten Mal einen Kardinal vor Gericht stellt, in dieser Form, und das entsprechend hier der Heilige Stuhl, der Papst, unter Beweis stellen möchte, dass er tatsächlich in der Lage ist, seinen eigenen Laden sozusagen selbst in Ordnung zu bringen. Da will man nicht unbedingt auf Hilfe von außen angewiesen sein.

DOMRADIO.DE: Diese Woche gab es den ersten Prozesstag, der nach dem ersten Tag überraschend vertagt wurde. Welche Strategie steckt dahinter?

Rotte: Ich denke, dass es da um eine Strategie der Anwälte der Angeklagten geht. Denn dass es Formfehler gibt, von Seiten der Staatsanwaltschaft, die vielleicht organisatorisch auch ein bisschen überfordert ist, hat sich bereits im Vorfeld gezeigt. Und ich denke mal, gewiefte Anwälte werden genau auf diese Schwächen sehr stark hinweisen. Ganz abgesehen davon, dass die Legitimität des gesamten Prozesses und des Prozesskontextes in Frage gestellt sind.

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