Mehr Impfdruck, bitte!


Sobald Politiker festlegen, dass Geimpfte in der vierten Corona-Welle mehr Freiheiten genießen werden, bricht der Shitstorm los. Aber es wird so kommen. Und es ist völlig legitim.

Morten Freidel | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Nicht viel los: Ein mobiles Impfzentrum in Sachsen Bild: dpa

Noch ist Sommer, aber viele schauen schon auf den Herbst. Nicht, weil sie seine Farbenpracht herbeisehnen, sondern weil sie Sorge haben, dass sie dann nicht mehr ins Restaurant, Stadion oder Kino können.

Schon jetzt stecken sich wieder mehr Leute mit Corona an, Delta grassiert, die kalte Luft wird ein Übriges tun, und das Impftempo nimmt ab. Jeder kann sich ausmalen, was das bedeutet. Sollten im Herbst die Ansteckungen explodieren und bis dahin nicht genügend Bürger geimpft sein, dann könnten die verhassten Beschränkungen zurückkehren. Die Frage ist nur, für wen.

Kanzleramtsminister Helge Braun stellte dazu kürzlich fest: „Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte.“ Sofort fiel eine Meute von angeblich freiheitsliebenden Menschen über ihn her. Der FDP-Vize Wolfgang Kubicki sprach von einer „Impfpflicht durch die Hintertür“, der stellvertretende Ministerpräsident Bayerns Hubert Aiwanger von den Freien Wählern von einer „Jagd“ auf alle, die die Impfung verweigerten. Vielerorts war die Rede von „Sonderrechten“.

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