Laschet droht eine Falle, die er selbst gestellt hat


Der Kanzlerkandidat behauptet gerne, wer NRW regieren könne, sei auch für den Bund vorbereitet. Angesichts der Enttäuschung von Flutopfern gilt aber auch der Umkehrschluss: Wer nicht, der nicht.

Nico Fried | Süddeutsche Zeitung

Ministerpräsident Armin Laschet bei einem Besuch in den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen, hier nahe der Gedenkstätte Vogelsang. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Armin Laschet hat am Montag in Swisttal gesagt, er sei in die von der Flut hart getroffene Gemeinde in der Nähe von Bonn gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Aber natürlich ist er auch gekommen, um andere ein paar Bilder von sich machen zu lassen. Der Ministerpräsident als Krisenmanager, der Kanzlerkandidat als Kümmerer. Doch an solche Szenen, wie sie die Kameras diesmal einfingen, dürfte Laschet dabei nicht gedacht haben: enttäuschte Bürger, die ihm Versagen vorwerfen; Hilfsbedürftige, die noch immer auf Hilfe warten.

Wenn das so weitergeht, kann sich Armin Laschets wichtigstes Argument für Armin Laschet schnell gegen ihn drehen. Seitdem er sich um die Kanzlerschaft bemüht, hat der CDU-Chef sein Ministerpräsidentenamt stets wie die natürliche letzte Vorstufe für das Regieren in Berlin beschrieben: Nordrhein-Westfalen als Bundesrepublik im Kleinformat, Industrieland, Strukturwandel, Umweltschutz. Wer das größte Bundesland politisch führen könne, bringe auch die Voraussetzungen für die Republik als Ganzes mit. Diesem Argument wollte sich vor einem Jahr bei einem Besuch in Düsseldorf nicht einmal die Bundeskanzlerin verschließen, die ansonsten bisher wenig Leidenschaft für den Kandidaten ihrer Partei entwickelt hat.

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