Ausstieg bei den Evangelikalen: Das Tor zurück zur Welt


Frau Minze war über zwanzig Jahre lang Mitglied in einer evangelikalen Freikirche. Dank Twitter ist ihr der Ausstieg gelungen.

Emeli Glaser | taz

Die Aussteigerin Frau Minze Foto: Miriam Stanke

Die Coronapandemie war ein Segen. Dank ihr führt Frau Minze heute eine glückliche Beziehung, statt in einer freudlosen Ehe festzusitzen. Dank ihr redet sie mit Freun­d:in­nen über politische Themen, die sie bewegen, statt über die Gnade Gottes. Frau Minze bereitet sich nicht mehr in einer Bibelgruppe auf das Jenseits vor. Ausgerechnet in einer Pandemie lebt sie zum ersten Mal einfach ihr Leben.

Frau Minze war über zwanzig Jahre Mitglied in einer Freikirche. In diesem Text wird sie wie ihr Twitter-Profil heißen, ihren echten Namen möchte sie zum Schutz ihrer Familie nicht veröffentlicht sehen. In ihrem früheren Leben hatte Frau Minze kaum Kontakte außerhalb der Gemeinde; bis vor fünf Jahren, als Twitter ihr Tor zur Welt wurde: „So habe ich schnell ganz viele neue Weltbilder für mich kennengelernt.“ Neben der katholischen und der evangelischen Kirche gibt es in Deutschland eine Vielzahl christlicher Freikirchen. Viele von ihnen möchten ihren Glauben einfach anders leben als die Landeskirchen. Andere propagieren ein dualistisches Weltbild, in dem sie die Auserwählten Gottes sind und alles andere Satans Werk ist.

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