Glücklich zu sein ist nicht dasselbe wie sich gut zu fühlen – aber was ist es dann?


Kürzlich wurde ich gefragt, ob ich glücklich sei. Diese Frage versetzte mich in Verlegenheit. Wir fragen einander oft „Wie geht es dir?“ oder „Wie geht es Ihnen?“ – doch das ist etwas anderes. Meistens handelt es sich um eine Höflichkeitsfloskel, die von vornherein keine negative Antwort zulässt.

Anne Sophie Meincke | DERSTANDARD

Glück und das gute Leben gehören zusammen, so die abendländische Philosophie. Foto: Getty Images/iStockphoto/PeopleImages

Reflexhaft kommt das „Danke, gut. Und dir/Ihnen?“ von unseren Lippen, selbst wenn wir uns nicht besonders gut oder sogar elend fühlen. Natürlich kann die erwartete positive Antwort auch der Wahrheit entsprechen. Dies rechtfertigt aber keineswegs den Schluss, die antwortende Person sei also glücklich. Glück – das scheint etwas Tieferes, etwas Umfassenderes zu sein als der Umstand, dass es einem gerade gut geht.

Wir Menschen streben nach Glück, wusste schon Aristoteles. Doch was bedeutet es eigentlich, glücklich zu sein? In der abendländischen Philosophie wurde diese Frage traditionell – und diese Tradition beginnt in der Antike – im Zusammenhang mit der Frage nach dem guten Leben behandelt: Wie gelingt mein Leben? Die Annahme war, dass ein gutes, gelingendes Leben auch ein glückliches Leben sei.

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