Methode Laschet: Der Herrgott wird‘s richten


Den Grünen wird Realitätsferne vorgeworfen, weil sie ein Klimaschutzministerium mit Vetorecht wollen. Dem Unions-Kanzlerkandidaten verhilft sein Glaube zur Gelassenheit

Claudia Wangerin | TELEPOLIS

Armin Laschet ist also nicht ehrlicher als seine Mitbewerberin Annalena Baerbock? Wer hätte das gedacht! Jetzt, wo auch der Kanzlerkandidat der Unionsparteien mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert ist, geht es endlich wieder um Inhalte. Die zuvor wegen Abschreibens gescholtene Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hat es geschafft, dass für ihre politischen Gegner rechts von der Mitte wieder die angeblichen Pläne für den „Aufbau einer Ökodiktatur“ im Vordergrund stehen, wenn sie die Grünen kritisieren.

Seit Baerbock und ihr Ko-Parteichef Robert Habeck am Dienstag ankündigten, im Fall einer Regierungsbeteiligung ein Klimaschutzministerium mit Vetorecht zu schaffen, geht es nicht nur in neurechten Blogs wie der „Achse des Guten“ und Kommentarspalten verschiedener Medien rund.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dessen Zukunftsvision unter anderem Flugtaxis sind, ließ erwartungsgemäß kein gutes Haar an dem Vorschlag. „Mit einem Vetoministerium kann man nicht die Zukunft gestalten“, erklärte er laut einem Spiegel-Bericht und verwies auf die Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung. Auch altgediente SPD-Granden erteilten dem Vorschlag eine klare Absage. Ex-Parteichef Sigmar Gabriel sprach von „Volksverdummung“: Auf so eine Idee könne nur kommen, wer keine Ahnung von Politik habe, sagte er der Rheinischen Post.

Wochenlang war Baerbock vor allem wegen der Fehler in ihrem aufgehübschten Lebenslauf und der Copy-and-Paste-Stellen in ihrem eilig zusammengeschusterten Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ kritisiert und attackiert worden. Dann kam heraus, dass auch ihr Hauptkonkurrent im Rennen um die Kanzlerschaft, der CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, es mit dem Urheberrecht nicht so genau genommen hatte, als er 2009 „Die Aufsteigerrepublik: Zuwanderung als Chance“ veröffentlichte. Und das auch nicht nur an einer Stelle, deren ursprünglicher Autor spontan bestritt, „jemals etwas so Dummes geschrieben zu haben“, sondern offenbar an mindestens einer weiteren Stelle, wie der Plagiatsgutachter Stefan Weber in seinem Blog feststellte.

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