Historiker: Kirche unterstützte Sklaverei


Auf die unrühmliche Geschichte der Kirche im Blick auf Rassismus und Sklaverei hat der Kirchenhistoriker Pius Adiele hingewiesen. Im Interview mit dem „Tiroler Sonntag“ (aktuelle Ausgabe) legte er dar, dass Rassismus über viele Jahrhunderte dem Christentum immanent war, Päpste Sklaverei legitimierten und Missionare selbst Sklaven „besaßen“.

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Bild: orf.at

Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts hätten sich etwa die Päpste umfassend gegen Rassismus und Sklaverei geäußert und auch Schwarze Menschen einbezogen, sagte Adiele. Der in Nigeria geborene und in Deutschland tätige Wissenschaftler und Priester hat eingehend zum Thema geforscht und auch zahlreiche Dokumente aus dem Vatikanischen Archiv ausgewertet.

Die christliche Lehre von der Gleichheit aller Menschen habe allzu lange nicht für Afrikaner gegolten. Schon bei den Kirchenvätern hätten Schwarze nicht die gleiche menschliche Würde besessen. Durch die Bulle „Dum diversas“ aus dem Jahr 1452 habe Papst Nikolaus V. dem portugiesischen König die Erlaubnis erteilt, die Länder der Ungläubigen zu erobern und zu unterwerfen und die darin lebenden Personen in ewige Sklaverei zu führen. Zwei Jahre später wurde dies nochmals bekräftigt in der Bulle „Romanus Pontifex“ von 1454.

Versklavung lange nicht „angeprangert“

Auch durch die Taufe hätten die Afrikaner nicht die gleichen Rechte bekommen. Adiele: „Bei den Indios, die von den Spaniern gleichzeitig mit den Afrikanern versklavt wurden, war dies ab 1537 der Fall. 1537 hat Papst Paul III. die Befreiungsbulle ‚Sublimis Deus‘ erlassen gegen die Versklavung der Indios. Aber der Papst hat kein Wort verloren, um die Versklavung der Afrikaner anzuprangern.“

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