China und Russland nutzen die Gunst der Stunde


Peking und Moskau haben sich auf den Machtwechsel in Kabul vorbereitet. Beide suchen Nähe zu den neuen Herrschern – und profitieren von der Schwäche Amerikas.

Frank Herold, Claudia von Salzen | DER TAGESSPIEGEL

Der chinesische Außenminister Wang Yi (rechts) empfing vor wenigen Wochen den Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar.Foto: Li Ran/Xinhua/Reuters

Die westlichen Länder haben ihre Botschaften in Kabul nach dem Sieg der Taliban geschlossen, ihre Diplomaten und die Mitarbeiter sind auf der Flucht. Nur drei Länder halten derzeit ihre Vertretungen in der afghanischen Hauptstadt offen: der Nachbar Pakistan, China und Russland.

Russland hat sich noch nicht festgelegt, ob die neue Führung offiziell anerkannt wird. Dies sei von deren Verhalten abhängig, hieß es in Moskau. Dagegen war China nach dem Sieg der Taliban das erste Land, das sich zu „freundlichen Beziehungen“ mit den neuen Machthabern bereiterklärte.

In Russland wie auch in China waren die Taliban gern gesehene Gesprächspartner. Ende Juli traf der chinesische Außenminister Wang Ji in der nordchinesischen Stadt Tianjin den Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar. Dieser hatte im Februar 2020 bereits das Abkommen zwischen der islamistischen Miliz und den USA unterzeichnet.

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