Vom Westen unterstützte syrische „Rebellen“: Große Taliban-Fans


Das afghanische Emirat als Vorbild. Terror-Experte fürchtet Möglichkeit eines neuen Zustroms von Dschihadisten nach Afghanistan

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Standfestigkeit der Taliban, Vorbild für syrische Dschihadisten. Training einer Elite-Einheit der Taliban/Salahuddin Ayubi Ausbildungslager. Bild: Propagandamaterial/Taliban Media Manba al-Jihad Studio

Dschihadisten, die dichten „Ich liebe die Taliban, weil in ihnen die Festigkeit eines freien, authentischen Muslims lebt/Weil die Verherrlichung der Scharia eine Investition ist.“ Der Originaltext ist in Arabisch gefasst, das lässt ahnen, dass das Gedicht in dieser Sprache wenigstens besser klingt und funkelt als diese öde Bekenntnis-Lyrik, zu der sie die auf den Inhalt konzentrierte englische Übersetzung entblößt.

Das interessante an dieser Fan-Hymne ist, dass sie aus Syrien stammt, aus dem Mini-Emirat Idlib. Dort feiert die herrschende Hayat Tahrir asch-Scham (HTS), ein al-Qaida-Ableger, die Machtübernahme der Taliban. Es gab Bonbons und offizielle, amtliche Gratulationen an die Adresse der wiedergekehrten Idole der Dschihadisten-Welt (auch die Pop-Affinen finden im Taliban-Bildmaterial Inspirationen).

Die Glückwünsche der Taliban-Bewunderer in der Scharia-Enklave Idlib finden sich gut dokumentiert bei Aymenn Jawad Al-Tamimi. Das offizielle Statement der HTS hat einen ganz ähnlichen Kern wie das Gedicht:

In der Erklärung werden die jahrelangen Kämpfe der Taliban als Inspiration für die eigene „Standhaftigkeit“ hervorgehoben. Gleichzeitig wird die internationale Gemeinschaft aufgefordert, anzuerkennen, dass sie keine unterdrückerischen Regime gegen den Willen der Völker, die sie ablehnen, unterstützen sollte. Die Erklärung schließt mit der Hoffnung auf einen Sieg zur Befreiung Syriens und zur Durchsetzung des islamischen Rechts.

Statement der Hayat Tahrir asch-Scham

Dass die Taliban in Afghanistan jetzt neu im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Dschihadisten stehen, könnte in der Realität für die bewaffnete Opposition, die in Syrien ein Emirat erreichen wollen, unerwünschte Konsequenzen haben.

Obwohl der „Erfolg“ in Afghanistan ähnlich stark wie in Sieg in Syrien gefeiert wird, könnte sich die Situation negativ für die syrischen Islamisten entwickeln. Sollten die Taliban zum Status Quo der Jahrtausendwende zurückkehren, könnte das Land im Mittleren Osten zum Hort und Rückzugsort internationaler dschihadistischer Kräfte werden. Eine Rolle, die bisher Syrien bzw. die Provinz Idlib einnehmen konnte.

Philip Klaus, Syrische Opposition feiert Sieg der Taliban

Klaus nennt als Beispiel die chinesisch-uigurische Terrormiliz Islamische Turkestan Partei, die wegen der Angriffe der US-Militärs in Afghanistan nach Syrien „migriert“ sei. Der Krieg in Syrien habe ähnliche Effekte auch auf „relevante al-Qaida-Kader und insbesondere Islamisten aus Zentralasien, z.B. Usbekistan“ gehabt.

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