Skandal in Impfzentrum in Friesland weitet sich aus


Im Impfzentrum im friesischen Roffhausen wurde statt eines wirksamen Impfstoffs nur einfache Kochsalzlösung verabreicht. Jetzt gibt es den nächsten Skandal – und der Landkreis kündigt dem Roten Kreuz.

Reinhard Bingener | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Razzia beim Roten Kreuz: Ermittler der Sonderkommission „Vakzin“ sichern am Donnerstagmorgen in Friesland Unterlagen. Bild: dpa

Das Impfzentrum im friesischen Roffhausen kommt nicht aus den Schlagzeilen, seit dort statt eines wirksamen Impfstoffs nur einfache Kochsalzlösung verabreicht wurde. Als der Fall Ende April aufkam, hieß es zunächst, einer Mitarbeiterin sei versehentlich eine Ampulle des Impfstoffs runtergefallen. Um ihr Missgeschick zu vertuschen, habe sie die Spritzen stattdessen mit Kochsalzlösung aufgezogen.

Später wurde bekannt, dass es sich bei der Krankenschwester um eine radikale Impfgegnerin und Verschwörungstheoretikern handelte, die als Labormitarbeiterin im Roffhausener Impfzentrums womöglich mehrfach und mit Absicht Spritzen mit Kochsalzlösung statt mit Corona-Impfstoff aufgezogen hatte. Die wahre Dimension des Falls ist derzeit völlig offen. Mittlerweile sind mehr als 10000 Bürger vorsichtshalber aufgefordert worden, sich abermals impfen zu lassen, weil sie ihren Impftermin in Roffhausen während der Arbeitszeiten der Beschuldigten hatten. Wie viele von ihnen tatsächlich keinen wirksamen Impfstoff erhielten, lässt sich mittlerweile auch mit Hilfe von Antikörpertests nicht mehr zuverlässig feststellen. In Absprache mit den Gesundheitsbehörden auf Landes- und Bundesebene wird deshalb in vielen Fällen vermutlich eine dritte Impfung verabreicht, um bei den wirklich Betroffenen einen unzureichenden Impfschutz zu vermeiden.

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